Olympia
Doping: „Die sollen vor der eigenen Haustüre kehren“
ARD und ZDF stellen kommende Woche kurz vor Vancouver mit zwei Dokumentationen das Thema Österreich und Doping in den Mittelpunkt.
Norbert Darabos: Ich gehe davon aus, dass die österreichischen Athleten aus Turin gelernt haben. Vor allem die Biathleten stehen unter permanenter Beobachtung. Die wären ja dumm, etwas zu machen. Ich habe keinerlei Veranlassung, daran zu zweifeln, dass unsere Sportler sauber sind. Im Übrigen sollen die deutschen Redakteure lieber vor der eigenen Haustüre kehren.
Seit gestern sind Sie ein Jahr Sportminister. Was hat Sie in dem einen Jahr am meisten überrascht?
Darabos: Die Beharrungshaltung und Widerstände gegen Reformmaßnahmen seitens der Funktionäre von Verbänden. Zum Beispiel hat man bei der Antidopinggesetzgebung versucht, mir einige Steine in den Weg zu werfen. Das hat mich doch überrascht.
Mit welchem Grundsatz sind Sie an diese Aufgabe herangegangen?
Darabos: Es war meine Absicht klarzumachen, dass die Sport-Agenden nicht Anhängsel eines Ministeriums sind, sondern gleichberechtigt mit den anderen Agenden bestehen. Sehr gefallen hat mir die Wortmeldung eines Mannes, der gemeint hat: „Seit Sie Sportminister sind, weiß ich erst, dass es ein Sportministerium gibt.“
Sie haben es aber auch leichter. Dank Lotto-Toto-Einnahmen haben Sie das höchste Sportbudget, das es jemals gegeben hat.
Darabos: Ja, wir hatten 2009 ein Rekordbudget von 113 Millionen Euro, es wird heuer auf 130 Millionen steigen.
Die nationale Antidopingagentur NADA verfügt über ein Budget von 1,5 Millionen Euro. Reicht das?
Darabos: Ich bin sehr zufrieden mit der Arbeit der NADA, ich denke nicht an irgendeine Einflussnahme. Das Budget ist heuer bereits um 600.000 Euro erhöht worden. Für das nächste Jahr streben wir ein Budget von zwei Millionen Euro an.
Den Randsportarten dagegen droht ein Desaster: das Aus für den Sportkanal ORF Sport Plus, wie ORF-Info-Direktor Elmar Oberhauser ankündigte.
Darabos: Dazu muss ich Folgendes sagen: Ich bin glühender Rapid-Fan. Aber es kann nicht sein, dass der ORF Rapid bei den TV-Übertragungen pushen will und im Gegenzug von mir verlangt, dass ich dafür die TV-Übertragungen der Randsportarten finanzieren soll. Das gefällt mir vom sportpolitischen Zugang überhaupt nicht. Ich will den Sport Plus Kanal erhalten und ich werde meinen Beitrag dazu leisten, aber nur gemeinsam mit dem ORF. Die Finanzierung des ORF können wir nicht durch öffentliche Mittel ersetzen.
Aber der ORF bekommt durch das neue ORF-Gesetz doch um 160 Millionen Euro pro Jahr mehr. Da könnte er ja einen Teil für Sport Plus einsetzen.
Darabos: Das ORF-Gesetz ist noch nicht beschlossen, weil die ÖVP es blockiert. Aber ich habe darin durchsetzen können, dass erstmals Sport explizit festgeschrieben ist. Das war im ursprünglichen Entwurf nicht vorgesehen. Die 160 Millionen Euro müssen deshalb auch für den Sport verwendet werden. Ich bin in dieser Sache auch mit ORF-Direktor Wrabetz im Gespräch, da poche ich darauf, dass das auch eingehalten wird.
Die Handball-EM in Österreich war sehr erfolgreich. Welche Großereignisse stehen noch ins Haus?
Darabos: Wir haben die Handball-EM mit 300.000 Euro unterstützt. Wir unterstützen die kommende Judo-EM und nächstes Jahr die Volleyball-EM. Und wir haben 2013 die Ski-WM in Schladming, die vom Sportministerium mit mehr als 20 Millionen Euro unterstützt wird. Das muss einmal gesagt werden: Ohne unsere Unterstützung wäre die Etablierung dieser Veranstaltungen gar nicht möglich.
Doch erst kommt Olympia. Der deutsche Dopingjäger Werner Franke meint, in Vancouver ist die Mehrheit der Athleten in den Ausdauersportarten gedopt.
Darabos: Das kann ich nicht bestätigen, wir tun alles dazu, dass unsere Sportler sauber sind. Und solange es keine gegenteiligen Meinungen gibt, gehe ich davon aus, dass das so ist. Durch die Erfahrungen 2006 in Turin bin ich sicher – obwohl, hundertprozentig sicher kann man ja niemals sein –, dass unsere Biathleten sauber sind. Wenn saubere Proben abgegeben werden, dann habe ich als Minister nicht davon auszugehen, dass diese Regeln umgangen worden sind.
Das Gespräch führte Gerd Millmann




