Doping
Dem Blut auf der Spur
Ausstrahlung im TV:
ARD, heute, 0.15 Uhr: Geheimsache Doping: Eiskalter Betrug: (Film von Hajo Seppelt, Robert Kempe und Jochen Leufgens). Ein tiefer Einblick, wie die raffinierten Dopingpraktiken in den Wintersportdisziplinen aussehen. Mit versteckter Kamera vermitteln die ARD-Reporter ungewohnte Perspektiven.
ZDF, Mittwoch, 23.15 Uhr: Mission Gold – die Blutspur der Dopingbetrüger: Felix Hero und Ralf Paniczek zeigen die Schwierigkeiten auf, den Betrügern das Handwerk zu legen, und verdeutlichen, dass die neuesten Dopingmittel längst entwickelt werden.
Von Gerd Millmann
Wien – Mehr als die Hälfte einer halbstündigen ZDF-Doku ist kommenden Mittwoch (23.15 Uhr) dem Thema Österreich gewidmet. Dabei werden durchaus positive Aspekte genannt:
Das neue Antidopinggesetz etwa wird als vorbildlich dargestellt, auch die Arbeit der Sonderkommission Doping findet Anerkennung. Wesentlich schlechter kommen in dem ZDF-Beitrag Langlauf-Olympiasieger Christian Hoffmann, ÖOC-Präsident Karl Stoss und der Österreichische Skiverband weg. Der Oberösterreicher Hoffmann ist bereits im Dezember vom aktiven Sport zurückgetreten, nachdem die nationale Antidopingagentur NADA wegen Blutdopings ein Verfahren gegen ihn eingeleitet hatte. Laut ZDF ist der Oberösterreicher einer von zehn Athleten, die der Internationale Skiverband FIS seit Monaten wegen verdächtiger Blutwerte im Visier hatte.
Das ZDF sprach auch mit einem Ankläger des Dopingskandals von Turin 2006, Gianfranco Colago. Der wollte nachweisen können, dass es bis 2006 im Österreichischen Skiverband ein Dopingnetzwerk gegeben habe.
ÖOC-Präsident Karl Stoss wiederum stellt sich vor der ZDF-Kamera vor den erfolgreichsten Wintersportverband: „Wenn Sie von Humanplasma reden, da glaube ich: Es sind auch eine Reihe von deutschen Sportlern auf der Liste. Da sollten Sie nicht mit Steinen im Glashaus werfen.“ Namen, wer im Wiener Blutlabor zu Gast gewesen sein soll, wollte Stoss aber keine nennen.
Als Doping-Problemland Nummer eins wird allerdings Russland angeführt: Einreisehindernisse für ausländische Kontrollore; das Verbot, Dopingproben zur Analyse außer Landes zu bringen; dazu das Versagen der russischen Antidopingbehörde.
Bereits heute (0.15 Uhr) präsentiert das Erste Deutsche Fernsehen ARD seine Dokumentation „Geheimsache Doping: Eiskalter Betrug“. Offenbar mit sehr stichhaltigen Neuigkeiten, die heute eine eigene Pressekonferenz in Berlin rechtfertigen. Dopingexperte Hajo Seppelt gab der Tiroler Tageszeitung vorab einige Details preis:
So wird ein Zeuge über deutsche Dopingkunden beim Wiener Blutlabor „Humanplasma“ plaudern. Bislang hat ja nur Ex-Radprofi Bernhard Kohl angegeben, dort zum Zweck des Dopings gewesen zu sein. Die restlichen Namen sind nur der Staatsanwaltschaft und der nationalen Antidopingbehörde NADA bekannt.
Humanplasma selbst hat im vergangenen September eine Kundenzahl von 30 Athleten öffentlich eingestanden. Von 2003 bis zu den Winterspielen 2006 in Turin habe man in Wien Athleten Blut abgenommen, behandelt und tiefgekühlt gelagert, so Humanplasma. Nach der Razzia in Turin habe man dieses Treiben beendet. Bis heute nicht bekannt geben will Humanplasma allerdings den Auftraggeber des organisierten Dopings. Man habe den österreichischen Sportlern aber nur zu „Chancengleichheit“ verhelfen wollen.
Auch in Minsk hat die ARD gefilmt. Dort soll laut anonymer Anzeige zwischen 2001 und 2003 Blutdoping betrieben worden sein. Seppelt wartet außerdem mit Zeugen auf, die die Dopingpraktiken in Österreich und Mitteleuropa erklären. „Da stellt es einem die Haare auf. Da herrscht ein Filz aus Sport. Medien und Politik, da sind wir Deutschen Waisenknaben dagegen“, so Seppelt, der sich über die mangelnde Kooperation in Österreich wundert.




