26.07.2010

International

US-Regierungsbeamter bestätigt geplanten Rückzug von BP-Chef

Der gestrauchelte BP-Chef Tony Hayward soll unmittelbar vor dem Rücktritt stehen. Eine mögliche Millionenabfertigung wird verhandelt. Inzwischen startet der Ölkonzern mit Tiefseebohrungen im Mittelmeer.
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London – Ein US-Regierungsbeamter hat den bevorstehenden Rückzug des umstrittenen BP-Chefs Tony Hayward bestätigt. Der Ausstieg des Vorstandsvorsitzenden werde frühestens am Montag bekanntgegeben, sagte der hochrangige Regierungsbeamte, der anonym bleiben wollte. Ein führender Mitarbeiter des Ölkonzerns habe Ende der vergangenen Woche über den Schritt informiert. Hayward war wegen seines Umgangs mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko scharf kritisiert worden.

Der US-Regierungsbeamte sagte, er wisse nicht, wer Nachfolger von Hayward werden solle. Auch der genaue Zeitpunkt des Rückzugs sei ihm nicht bekannt. Zuvor hatten bereits mehrere britische Medien über die Ablösung des BP-Chefs spekuliert, darunter die BBC. Demnach gab es am Wochenende Verhandlungen über die Bedingungen des Rückzugs.

Als Haywards Nachfolger wird der US-Amerikaner Bob Dudley gehandelt. Er hatte von Hayward vor einiger Zeit bereits die operative Leitung bei der Eindämmung der Ölpest übernommen. Ein BP-Sprecher wollte den BBC-Bericht weder bestätigen noch dementieren. „Hayward hat weiterhin das Vertrauen des Aufsichtsrats“, sagte Konzernsprecher Toby Odone der Nachrichtenagentur dpa.

Der Vorstandschef, der seine Karriere bei BP vor 28 Jahren begonnen hatte, war in der Öffentlichkeit mehrfach für die Pannenserie um die Ölpest und ein mangelndes Krisenmanagement gerügt worden. Beißende Kritik zog er auf sich, nachdem er mit dem Ausspruch zitiert wurde, er wolle einfach nur sein Leben wiederhaben, und als er wenig später mit seiner Segelyacht „Bob“ an einer Regatta im Ärmelkanal teilnahm.

Der Aufsichtsrat des Energiekonzerns trifft sich heute, um über einen Verbleib Haywards abzustimmen. Dabei solle lediglich Haywards Entscheidung abgesegnet werden, sagte der BP-Sprecher. Am Wochenende wurde britischen Medienberichten zufolge über eine Abfindung verhandelt. Hayward wolle seinen Rückzug am Dienstag bekannt geben, schrieb die Zeitung The Independent. Sein Gehalt und Bonus betrug laut BP im vergangenen Jahr 3,1 Mio. Pfund (3,7 Mio. Euro).

An diesem Dienstag legt der Londoner Konzern die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2010 vor. Analysten erwarten, dass BP trotz der Ölpest in dieser Zeitspanne 10 Milliarden Dollar (7,7 Mrd. Euro) Gewinn gemacht hat.

Experten hoffen währenddessen weiterhin, das defekte Bohrloch im Golf von Mexiko endgültig verschließen zu können. Nach dem Durchzug eines Sturmtiefs will BP Mitte der Woche einen weiteren Versuch zum endgültigen Verschließen des Lecks starten. Am Wochenende schickte der Konzern Schiffe und Arbeiter zurück in den Golf.

Indes will der Energiekonzern die nächste Tiefseebohrung im Mittelmeer vor der Küste Libyens starten. „Die Bohrungen werden in wenigen Wochen beginnen“, sagte BP-Sprecher David Nicholas am Wochenende. Die Rechte für die Erschließung der Ölquelle hatte BP vor drei Jahren von Libyen gekauft. Die USA werfen dem Konzern vor, die Begnadigung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi vor einem Jahr vorangetrieben zu haben, um das Millionengeschäft zu starten. (TT/dpa/APA/apn )

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Mo, 26.07.2010
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