12.08.2010, 17:53  Aktualisiert: 17.02.2011, 09:50 

Konjunktur

Dunkle Wolken am Himmel machen Unternehmen nervös

Trotz deutlicher Zeichen für eine Erholung der Weltwirtschaft bleibt die Angst vor einem neuerlichen Abstieg in die Rezession bestehen.
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London - Am Konjunkturhimmel ziehen düstere Wolken auf, vor allem in den USA. Am Mittwoch verlor der Börsenindex Dow Jones satte 2,5 Prozent an Wert. Am Donnerstagmorgen ging es in New York um weitere 0,7 Prozent runter. Und auch die US-Notenbank gibt sich nachdenklich. Das Tempo des Aufschwungs habe sich „in den vergangenen Monaten verlangsamt“, schrieb die mächtigste Zentralbank der Welt in ihrem jüngsten Kojunkturkommentar. Kurzfristig werde er „wahrscheinlich moderater ausfallen als zunächst erwartet“, hieß es trocken.

Die größte Volkswirtschaft der Welt dümpelt in vielen Bereichen nur vor sich hin. Arbeitslosigkeit: auf absehbare Zeit hoch. Immobilienmarkt: weiter trübe. Kreditbedingungen: nach wie vor schwierig. Am Mittwoch schockte die Nachricht, das Handelsdefizit habe sich wieder kräftig ausgeweitet - jüngstes Zeichen für schwache Konjunktur. Vorsorglich stutzte die US-Investmentbank Goldman Sachs ihre US-Wachstumsprognose für 2011 schon einmal drastisch von 2,5 auf 1,9 Prozent.

Einer, dessen Unternehmen ganz nah am Puls der Zeit ist, schockte die Börsianer zusätzlich: Der Chef des weltgrößten Netzwerkausrüsters Cisco Systems, John Chambers, stellte fest, dass sich immer mehr seiner Kunden zurückhielten. „Wir glauben, der Begriff „ungewöhnliche Unsicherheit“ ist die beste Umschreibung.“ Gerade Chambers hatte in der Vergangenheit mit seinen Konjunkturprognosen häufig ins Schwarze getroffen.

Angst vor „Double-Dip“

Steuert nun also doch alles auf den gefürchteten „Double-Dip“ zu, den zweiten Absturz der Konjunktur nach dem Desaster von 2008? Die Experten von Goldman Sachs, die ein äußerst träges zweites Halbjahr 2010 durchaus voraussahen, meinen: nein. „Unsere eigenen Prognosen sagen kurzfristig eine leidlich trübe Phase voraus, die sich schließlich aber in einen positiveren globalen Ausblick auflösen wird“, schreiben die Experten.

Zwei Gründe führen sie an: Einmal dürfte die Federal Reserve nach ihrem eher symbolischen Schritt vom Dienstag möglicherweise Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres zu schwereren Konjunktur-Geschützen greifen, sollte sich der Aufschwung weiter dahinschleppen. Zum zweiten werden sich wohl die Ausgaben von Firmen und Haushalten für langlebige Güter fangen - weil der Gegenwind - durch die Probleme auf dem Immobilienmarkt, die Zurückhaltung bei Neueinstellungen und der neue Spareifer der Amerikaner als Folge der Wirtschaftskrise - voraussichtlich am Ende abflauen wird.

Fraglich ist, wie sich das Boomland China entwickelt. Es gebe zwar Anzeichen dafür, dass die Volksrepublik und andere Schwellenländer damit beginnen, ihre Binnennachfrage zu fördern, um weniger vom Export abhängig zu sein. Die Versuche stecken aber noch in den Kinderschuhen. Volkswirte fürchten zudem vor allem, dass die politische Führung in Peking in ihrem Bemühen um eine Abkühlung der auf Hochtouren laufenden Wirtschaft des Guten zuviel tut. (APA/dpa/Reuters)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 12.08.2010  17:53
aktualisiert: Do, 17.02.2011  09:50
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