International
Luftfahrtbranche in Aufruhr: Streikwelle rollt durch Europa
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24 Stunden statt vier Tage: Der Streik der Lufthansa-Piloten fiel nicht ganz so dramatisch aus wie angekündigt. Trotzdem bleibt die Lage angespannt. Foto: EPA
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Frankfurt/Wien – „Das ist das Dramatischste im deutschen Luftverkehr, was wir je erlebt haben“, sagte am Montag ein Konzernsprecher der Lufthansa, angesichts des Vorhabens der Pilotengewerkschaft vier Tage lang die Arbeit niederzulegen. Dass dann doch alles anders gekommen ist und der Streik zu Mitternacht auf richterlichen Vorschlag hin ausgesetzt wurde, kann nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass in der Luftfahrtbranche derzeit großer Aufruhr herrscht.
Während die Lufthansa und ihre Piloten wieder an den Verhandlungstisch zurückgekehrt sind, begehren jetzt die Flugbegleiter des Unternehmens auf. Die 16.000 Beschäftigten wollen „möglicherweise schon in den kommenden Wochen“ Warnstreiks abhalten, sollte sich das Unternehmen nicht zu den im Jänner erhobenen Tarifforderungen äußern.
Und auch bei der AUA könnte die Situation bald eskalieren. Der AUA-Bord-Betriebsrat pocht auf Arbeitsplatzsicherheit für AUA-Copiloten, also eine Art Kündigungsschutz und sieht eigene Crew-Leute gegenüber Tyrolean benachteiligt. Der Boden-Betriebsrat wiederum verlangt für Wartung/Technik eine Art „Standortgarantie“.
Streiks in Frankreich, Großbritannien und Griechenland
Gestreikt wird dieser Tage jedenfalls in Frankreich, Griechenland, Großbritannien und Kroatien. Den Anfang machten die Fluglotsen am Pariser Flughafen Orly, wo am Dienstag rund die Hälte aller Flüge ausgefallen sind. Auch am größeren Pariser Airport Charles de Gaulle mussten wegen der Kampfmaßnahmen 25 Prozent der Verbindungen gestrichen werden.
Ähnliches steht bei British Airways bevor. 81 Prozent der Flugbegleiter stimmten am Montag für die Initiative der Gewerkschaft, für Jobgarantien und bessere Bedingungen zu streiken. Wann die Arbeitsniederlegung genau stattfindet wird am Donnerstag entschieden.
Noch dramatischer ist die Situation in Griechenland. Am Mittwoch fallen wegen eines Fluglotsen-Streiks sämtliche Flüge von und nach Griechenland aus. Der Luftraum werde ab Mitternacht für 24 Stunden geschlossen bleiben, teilten die wichtigsten Fluglinien am Dienstag in Athen mit.
Kommenden Freitag will zudem das Bordpersonal der staatlichen kroatischen Luftlinie Croatia Airlines streiken, verkündete die Gewerkschaft am Montag. Die Flugbegleiter wollen damit ihren Unmut über das Scheitern der Kollektivvertragsverhandlungen kundtun
Konsequenzen nach Krisenjahr
Wie beim Lufthansa-Personal steigt auch bei Beschäftigten in anderen Ländern die Sorge um die Lohnsituation und die Arbeitsplatzsicherheit. Die Wirtschaftskrise und die Konkurrenz durch Billigflieger haben den großen europäischen Fluggesellschaften stark zugesetzt.
„Die Branche hat 2009 rund acht Milliarden Euro verloren und wird auch heuer ein Minus von mehreren Milliarden zu verkraften haben. Die Airlines versuchen nun logischerweise Kosten einzusparen“, sagte Branchenexperte Rick Seaney gegenüber CNN. Dadurch kommt es in diesem Jahr zur Kraftprobe zwischen Fluggesellschaften und Gewerkschaften - worunter am Ende vor allem die Passagiere leiden dürften.
Lufthansa: Kein Normalbetrieb bis Freitag
Die Ausfälle bei Lufthansa waren wohl nur ein erster Vorgeschmack auf das, was im Jahr 2010 bevorstehen könnte. Tausende Passagiere waren am Montag mit Flugstreichungen konfrontiert. Doch auch am Dienstag musste die „Kranich“-Airline nach dem Sonderplan fliegen, da derzeit in vielen Fällen weder Maschinen noch Crews gerade dort bereit stehen, wo sie benötigt werden. Ziel sei es, dass das Netz spätestens bis Freitag wieder zu hundert Prozent zur Verfügung steht, sagte ein Lufthansa-Sprecher. (siha)
aktualisiert: Di, 23.03.2010 20:37





