31.07.2010

Innsbruck

Bodenseer: Grenzen auf für Hilfskräfte

In Tirol benötige man vor allem für angelernte Tätigkeiten Arbeitskräfte aus dem Ausland, ist Wirtschaftskammer- präsident Jürgen Bodenseer überzeugt.

Von Beate Troger

Innsbruck – Die Tiroler Wirtschaft stellt sich in der Debatte um die Zuwanderung teilweise auf die Seite von Innenministerin Maria Fekter. „Ich bin auch sehr dafür, dass man die Schleusen nach Österreich nicht einfach für alle öffnet“, sagt Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer im TT-Gespräch. „Wir brauchen diese Rot-Weiß-Rot-Card als Instrument, mit dem man die Zuwanderung gezielt steuern kann.“ Anders als seine Parteikollegin will Bodenseer die Grenzen aber nicht für qualifizierte Fachkräfte, sondern für Hilfsarbeiter öffnen: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir im Tiroler Tourismus, aber auch am Bau Arbeitskräfte für Tätigkeiten brauche, die Einheimische nicht mehr machen wollen.“

Vom Taxifahrer, über Ernte­helfer und die Müllabfuhr bis zu industriellen Fließbandarbeitern – ohne Zuwanderer, die die Einheimischen unterstützen, würde die heimische Wirtschaft nicht mehr funktionieren. „Ich bin nicht dafür, dass man gezielt Fachkräfte ins Land holt, die unseren Spezialisten die Arbeitsplätze wegnehmen.“ Über Lehre mit Matura, die neuen Bachelor-Studiengänge oder die Technologieoffensive des Landes sollte man Fachkräfte je nach Bedarf selbst ausbilden.

Auch Reinhard Schretter, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Tirol, spricht sich dafür aus, die Zuwanderung nach wirtschaftlichem Bedarf zu „diversifizieren“.

Ein Fachkräftemangel sei in einigen Branchen, etwa im technischen Bereich, in der IT oder der Medizintechnik, aber nicht von der Hand zu weisen. „Der Bedarf schwankt konjunktur- und branchenabhängig, daher ist es absolut notwendig, dass wir diese Spitzen mit ausländischen Facharbeitern abdecken können“, so Schretter zur TT. „Im Hinblick auf die demographische Entwicklung brauchen wir ein geeignetes Instrument, um hoch qualifizierte Fachkräfte künftig gezielt anzuziehen“, so Schretter. Das „sensible Thema“ müsse aber „sachlich debattiert“ werden, mahnt er.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 31.07.2010
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