Umfrage
40 Prozent der Tiroler erwarten Aufschwung
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Von Frank Tschoner
Innsbruck – Die jüngste Konsumentenbefragung der Wirtschaftskammer Tirol, der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung und der TT greift mit dem Ausbau der Wasserkraft und der Widmungsabgabe zwei politisch heiße Eisen an. Jeder Zweite spricht sich für die Einführung der Widmungsabgabe aus. „Das ist ein überraschendes Ergebnis. Die Leute erkennen das Problem der Baulandmobilisierung. Daher ist jeder Zweite für die Abgabe, wenn dadurch Wohnraum geschaffen werden kann“, analysiert Stefan Garbislander von der volkswirtschaftlichen Abteilung der Wirtschaftskammer Tirol.
Eine Mehrheit spricht sich in der Umfrage für den weiteren Ausbau der Wasserkraft bei gleichzeitigem Vetorecht der jeweiligen Standortgemeinde aus. Garbislander sieht darin eine Herausforderung für die Politik, bei überregionalen Großprojekten von regionalen Entscheidungen abhängig zu sein. Für Stefan Haigner von der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung ist die Mehrheit für ein Vetorecht ein Zeichen, dass sich die Leute nicht eingebunden fühlen. Haigner ist gegen das Vetorecht. „Die Politik muss einen offenen und transparenten Diskussionsprozess über Großprojekte führen. Die Gemeinden müssen stärker als bisher eingebunden werden.“
Wenig Konkretes weiß man bisher über das geplante Sparpaket der Bundesregierung. Diese Unsicherheit spiegelt sich auch in der Konsumentenbefragung wider. So rechnet jeder fünfte befragte Tiroler damit, dass sich die finanzielle Situation seines Haushaltes in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern wird. Bei der Befragung im März waren es noch weniger, nämlich jeder siebte Tiroler. Auch die Zahl derjenigen, die glauben, dass die finanzielle Situation ihres Haushaltes gleich bleiben wird, schrumpfte von 67,5 % auf 59,4 %.
„Die Menschen erwarten ein Sparpaket. Sie glauben, es wird ihnen in die Geldbörse gegriffen, beispielsweise durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer oder der Einführung einer Vermögenssteuer“, meint Garbislander.
Dieses Unsicherheitsgefühl spiegelt sich laut Stefan Jenewein von der Gesellschaft für Angewandte Forschung auch beim Sparen wider. 22,7 Prozent der Tiroler gehen davon aus, dass es ihnen in den kommenden 12 Monaten wahrscheinlich nicht möglich sein wird, Geld zu sparen. Im März waren es nur 13,3 % gewesen. Der Anteil der Personen, die auf alle Fälle sparen wollten, stürzte von 53,5 % auf 35,7 Prozent ab.
Von Optimismus ist hingegen die Beurteilung der künftigen Wirtschaftsentwicklung in Tirol geprägt. Mehr als 40 % erwarten eine Verbesserung der Wirtschaftslage. Nur knapp 17 % rechnen mit einer Verschlechterung. Im März waren die Tiroler in Sachen Konjunktur deutlich pessimistischer eingestellt: Damals gingen noch 25 % der 500 von IMAD Befragten von einer leichten oder wesentlichen Verschlechterung der Wirtschaftslage aus.
Mit der Konjunkturerholung sehen die Tiroler einen leichten Preisanstieg auf sich zukommen: 27,7 % sehen die Preise stärker als bisher steigen. 50,6 % meinen, sie werden in den nächsten 12 Monaten so wie bisher zulegen. „Mit der Erholung der Konjunktur geht immer ein Preisanstieg einher – aber nur ein moderater“, sagt Garbislander. Das Potenzial der Wirtschaft ist bisher nicht ausgeschöpft. Das erkläre, warum die Inflationsrate im vergangenen halben Jahr relativ stabil blieb, analysiert Jenewein.
Ein Meinungsumschwung findet in Sachen Arbeitslosigkeit statt: Rund 30 % der Tiroler erwarten einen weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit in den nächsten 12 Monaten. Noch im März waren die Tiroler deutlich pessimistischer gewesen: Damals rechneten nur rund 12 % mit einer sinkenden Arbeitslosigkeit. Je höher das Bildungsniveau, umso optimistischer sind die Befragten in Sachen Arbeitsmarkt.
„Hier korrespondiert das Ergebnis der Konsumentenbefragung mit der tatsächlichen Entwicklung“, schildert Garbislander. Wie berichtet, sank im August die Arbeitslosigkeit in Tirol um 12,1 Prozent. „Im Jahresschnitt werden wir jedoch eine niedrigere Arbeitslosigkeit als 2009 sehen.“
Zurückhaltend sind die Tiroler, was größere Anschaffungen wie Möbel, Waschmaschinen oder Fernsehgeräte in den nächsten 12 Monaten angeht. Im Vergleich zum März ist die Zahl derjenigen, die weniger Geld dafür ausgeben wollen, geringfügig gestiegen. Um mehr als 10 Prozentpunkte auf 39 % abgestürzt ist hingegen die Zahl der Personen, die gleich viel ausgeben wollen. Dafür wollen 12,4 % (März: 7,9 %) etwas mehr investieren. Auch in diesem Punkt zeigt sich die Unsicherheit, was das kommende Sparpaket der Regierung den Bürgern aufbürden wird. „Der tägliche Konsum hingegen läuft sehr gut“, so Garbislander.





