Österreich
Lieber mal ein Wort zu wenig
Von Christian J. Winder
Innsbruck – Ups, das hätte ich jetzt wohl besser nicht gesagt. Wie oft kommt einem dieser Gedanke nach einer unüberlegten Bemerkung. Dann ist es allerdings meist zu spät, um den angerichteten Schaden zu kitten. „Einfach mal die Klappe halten“, rät die erfolgreiche Kommunikationstrainerin Cornelia Topf, die in ihrem Institut Metatalk in Augsburg (www.metatalk-training.de) vermittelt, wie man mit weniger Worten zu mehr Erfolg kommt.
Das Rezept ist so einfach, dass es beinahe banal klingt: erst denken, dann reden. Eine Weisheit, die uns wohl von Kindesbeinen an geläufig ist. Dennoch gibt es immer wieder Situationen, in denen wir wider besseren Wissens nicht schweigen können; da muss ja was gesagt werden. Eine Fülle von plausibel klingenden Erklärungen fällt uns ein, warum wir übers Ziel hinausschießen, wenn wir einmal verbal in Fahrt geraten sind. Die bewusste Wartesekunden, bevor der Mund geöffnet wird, ist eine ebenso dringende wie lohnende Empfehlung von Topf.
Eine andere Überlegung: Ist es in einer Situation überhaupt erforderlich, viele Worte zu machen? Genügt es nicht bereits, in ein, zwei Sätzen das Anliegen klar darzustellen – und die Schlichtheit der Äußerung wirken zu lassen? Soll sich doch das Gegenüber damit auseinandersetzen, sich Gedanken machen, vor allem aber: darauf reagieren. Sind die Ausführungen zu lange, wird oft schon nach den ersten paar Sätzen das Rolltor heruntergelassen oder das Akustiksystem auf Durchzug gestellt. Viel Information geht verloren, kommt nicht an. Wer etwas ereichen möchte, soll den anderen reden lassen, sich mehr aufs Zuhören konzentrieren und nur den einen oder anderen klaren Hinweis absetzen. Das wirkt.
Leicht ist es allerdings nicht, das Reduzieren aufs Wesentliche. Das bringt nämlich nicht selten, so Topf, Ruhepausen mit sich, stille Zeiten, mit denen man erst umzugehen lernen muss.
Wer jedoch die Kraft der Stille für sich entdeckt, wer sie ganz bewusst einsetzt, der kann ein Mehr für sich gewinnen – und das, ohne jemandem etwas zu nehmen. „Einfach mal die Klappe halten“, das Buch von Cornelia Topf, ist ein anspruchsvoller Leitfaden, wie es einem besser gehen kann.






