Gesundheit
Wie der Pinsel zum Sprachrohr der Seele wird
Berufsporträt
Ausbildung: Die einzige Ausbildung in Tirol bietet das MGT-Seminarinstitut in Innsbruck in Form eines dreijährigen, berufsbegleitenden Lehrganges.
Voraussetzung: Man sollte kreativ denken, gut zuhören können, einfühlsam und belastbar sein. Künstlerische Fähigkeiten sind nicht unbedingt notwendig.
Von Jasmin Hamerl
Natters – Zahlreiche von Patienten gemalte Bilder entlang des Ganges weisen den Weg zum Atelier im Untergeschoß des Krankenhauses, dem Arbeitsplatz von Renate Waas. Auf dem großen Tisch in der Mitte des Werkraumes befinden sich verschiedenste Mal-utensilien. Ringsum sind viele weitere Kunstwerke von Kranken zu sehen – Zeichnungen, Malereien, Collagen, Seidentücher und Tonfiguren.
Rund ein Dutzend Patienten werden meist in Gruppen von Waas und ihrer Kollegin pro Tag betreut. Seit 2002 gibt es im Landeskrankenhaus Natters die Mal- und Gestaltungstherapie. Die Patienten können die diversen Materialien und Techniken ausprobieren und damit experimentieren. Im Vordergrund soll die Freude an der künstlerischen Tätigkeit stehen, wie Waas erklärt. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Selbsterfahrung. „Ein Bild beispielsweise kann zum Medium werden, um Unaussprechliches auszudrücken“, schildert die Zirlerin.
Unbewusstes wird so sichtbar, bestimmte Fähigkeiten oder Verhaltensmuster kommen ans Tageslicht. Die Gestaltung der Bilder und Objekte dient als Grundlage für ein therapeutisches Gespräch. Dabei werden auch konkrete Handlungsschritte bzw. Problemlösungen aufgezeigt.
Neben ihrer Arbeit im Krankenhaus betreibt die 52-Jährige eine eigene Praxis in Zirl. Dort kümmert sie sich um Menschen mit unterschiedlichen Anliegen. Sie haben Schwierigkeiten in Beruf, in Familie, Schule oder wollen belastende Ereignisse verarbeiten. Oder sie möchten mit Hilfe der Mal- und Gestaltungstherapie einfach ihre Kreativität fördern oder ihr Selbstbewusstsein stärken.
Das Einsatzfeld der Methode ist breit gefächert. Sie wird im pädagogischen, sozialen oder wirtschaftlichen Bereich angewendet und kommt unter anderem in Schulen, Pflegeheimen oder Beratungseinrichtungen zum Einsatz. Die enorme Vielfalt ist es auch, die Waas an ihrem Beruf schätzt: „Es kann nie zur Routine werden. Jeder Mensch ist anders und man bekommt viele Einblicke in verschiedene Lebensweisen.“ Allerdings kommt sie sich oft wie „ein Kämpfer für die Sache“ vor. „Man muss sich beweisen und zeigen, dass man damit etwas Gutes bewirkt und das Ganze nicht ein Hobby ist“, sagt Waas. Inzwischen ist sie selbst auch als Ausbilderin für Mal- und Gestaltungstherapeuten tätig.






