Innsbruck
Mit der Revolution jonglieren
Highlights & Auslastung
Teamwork: Bei der Rossini-Oper „La Cenerentola“ arbeiten Landestheaterintendantin Brigitte Fassbaender und der interimistische musikalische Leiter Georg Fritzsch erstmals zusammen. Premiere ist am 7. November 2011.
Bühnenjubiläum: In der bittersüßen Liebesgeschichte „Paradiso“ von Lida Winiewicz feiert Julia Gschnitzer in der Rolle der Martha ihr 60-Jahr-Bühnenjubiläum. Regie: Klaus Rohrmoser. Premiere: 15. Jänner 2011.
Auslastung: Die Auslastung des Tiroler Landestheaters liegt bei mehr als 80 Prozent. Jährlich werden 200.000 Karten verkauft. Der aktuelle Abo-Stand beträgt 8056.
Innsbruck – Das Tiroler Landestheater ist flott – im deutschsprachigen Raum bringt nur das Stadttheater Meiningen in Südthüringen sein Jahresprogramm schneller heraus als das Dreispartenhaus in Innsbruck. Intendantin Brigitte Fassbaender, die am Freitag zum vorletzten Mal zur Spielplanpräsentation lud, erzählt dies voll Stolz. Und mit einem kleinen Augenzwinkern. Schließlich geht‘s im Bühnenbusiness nicht vorrangig um Geschwindigkeit, sondern um Tiefgang. Oder um mit Schauspieldirektor Klaus Rohrmoser zu sprechen: „Wir wollen mit gehaltvollen Themen gegen vorherrschende Oberflächlichkeiten ankämpfen – und Kultur als Grundnahrungsmittel verstanden wissen.“
Gewürzt wird das Kulturmenü, das 2010/2011 unter dem Motto „Spielen ist Jonglieren mit der Wirklichkeit in einem erdachten Raum“ steht, mit dem Schlagwort „Revolution“, das vor allem das Opernprogramm dominiert. Eröffnet wird dieses mit der Giordano-Oper „Andrea Chénier“, deren Rahmen die Französische Revolution bildet. Um den möglichen Stiefsohn von Macbeth kreist Norbert Zehms Auftragswerk „Candence Macbeth“, während Rossinis Aschenputtelversion „La Cenerentola“ eine Revolution der Herzen symbolisiert. Breitenwirksam versprechen die Johann-Strauss-Operette „Eine Nacht in Venedig“ und der Musical-Klassiker „Les Misérables“ zu werden. Abgerundet wird das Musiktheaterprogramm mit Smetanas „Die verkaufte Braut“, der Puccini-Dreiecksgeschichte „La Fanciulla del West“ und der halbszenischen Aufführung der Richard-Strauss-Oper „Elektra“.
Das Schauspielprogramm startet mit dem „Urfaust“ – übrigens der erste Goethe, der in der Ära Rohrmoser inszeniert wird. 21 Jahre nach der skandalträchtigen Premiere am Wiener Burgtheater wird das Landestheater zum Schauplatz von Thomas Bernhards „Heldenplatz“. Rohrmoser: „Wir werden sehen, was von der explosiven Wirkung übrig geblieben ist.“
Schrill verspricht Susi Webers Inszenierung der „Rocky Horror Show“ zu werden, spannend Thomas Oliver Niehaus‘ Interpretation von Tschechows „Kirschgarten“, wuchtig Michael Gampes Adaption der Shakespeare-Tragödie „Othello“. Uraufgeführt wird neben „Matto regiert“ – einer kriminalistischen Spurensuche nach Friedrich Glauser – auch eine neue Revue von Chefdramaturgin Doris Happl. Tanztheaterleiter Enrique Gasa Valga setzt indes dem in Innsbruck begrabenen Dichter Georg Trakl ein tänzerisches Denkmal. Aber auch der mexikanischen Malerin Frida Kahlo nähert sich der Spanier rhythmisch an. Weitere Uraufführungen sind „Ladies and Gentlemen: Bolero!“ und „Mein Herr, Othello“, das der japanische Choreographiestar Yuki Moro inszeniert.
Mit den mobilen Theaterstücken „Ein Schaf fürs Leben“ und „Die faulste Katze der Welt“ will das „Junge Tiroler Landestheater“ erneut Kinder in ganz Tirol erreichen. Hakon Hirzenbergers Märchen „Von einem anderen Stern“ thematisiert die Liebe zu einem Außerirdischen, während das Jugendstück „Wir alle für immer zusammen“, das um eine Patchworkfamilie kreist, speziell für die oft vernachlässigte Altersgruppe der 10- bis 15-Jährigen gedacht ist. (fach)






