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Prügelndes Leben und angstfreie Liebe
Innsbruck – Man muss das Leben nicht verstehen, um es beschreiben zu können. Schon gar nicht, wenn man Rocksängerin ist und zu den wenig geouteten Lesben gehört, die trotzdem erfolgreich sind – so wie die US-Sängerin Melissa Etheridge. Ihr neues und mittlerweile zehntes Studioalbum „Fearless Love“ (Universal Music) kommt zwar wenig spektakulär, dafür ziemlich bodenständig in ordentlicher Rock-Handarbeit daher. Gewohnt rau in ihrer Stimme kratzt Etheridge ordentlich und von vielen Seiten das Thema Liebe an:. „I am what I am and I am what I am afraid of. Oh what am I afraid of. I need a fearless love“ scheppert sie bereits beim Opener ordentlich mit viel warmer Emotion los. Es klingt fast so, als ob sie die Route 66 auf einem alten, zweirädrigen Ladykracher daherkäme. Alles klingt irgendwie von gestern. Zeitlos, aber voll im Leben.
An den großen Themen ändert sich eben genauso wenig, wie an den unumstößlichen Gesetzen, die es für guten Rock braucht: musikalisches Handwerk und ein Reibeisen ab der Mundhöhle abwärts. Etheridge kann beides vorweisen. Stimmlich holt sich die alternde Rockdiva dennoch junges Fleisch, nämlich Joss Stone und Natasha Bedingfield, für einen Song („We Are The Ones“). Das klingt ganz gut, hätte es aber für die Essenz des Werkes nicht wirklich gebraucht. Etheridge bringt ohnehin auf den Punkt, was sie will, und bleibt in gewohnter Manier politisch ein kritischer Geist, indem sie „ihrem“ Land Kalifornien in „Miss California“ die Leviten liest. Manchmal glaubt man gar, Bruce Springsteen zu hören. Aber nur kurz. Etheridge bleibt Etheridge. (lipi)






