Leitartikel
Förderungen gerechter verteilen
Dass die öffentlichen Förderungen nicht mehr, sondern weniger werden, liegt angesichts der angespannten Budgets auf der Hand. Das trifft auch auf das EU-Agrarbudget zu. Nicht weniger als 59,5 Milliarden Euro gibt die EU heuer an Förderungen für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum aus. 146.000 heimische Bauern profitieren davon, ab 2013 dürften die Subventionen jedoch deutlich schrumpfen. Trotz der Muskelanspannungen von ÖVP-Bauernbund und Landwirtschaftskammer wird daran aber kein Weg vorbeiführen, weil die Bauern kein Staat im Staat sind.
Vielleicht benötigt es jedoch die Kürzung, damit in der europäischen Landwirtschaft endlich einmal ein Umdenken stattfindet. Denn zu den größten Profiteuren der durch die Nationalstaaten und Regionen kofinanzierten EU-Förderungen zählen europaweit die Industrie- und Großbauern. Wer viel Fläche besitzt, bekommt auch viel Geld. Die Agrarindustrie mit Milchseen, Butterbergen und Dumpingrindfleisch lässt grüßen. Das ist in Österreich nicht anders. Noch zu viel wird über einen Kamm geschert, aber viel zu wenig differenziert.
In den Bergregionen muss nämlich fairerweise von Leistungsabgeltungen für die Bauern gesprochen werden. Unter erschwerten Bedingungen produzieren sie nicht nur naturnahe und qualitativ erstklassige Rohstoffe für die Lebensmittelerzeugung, sondern erbringen gleichzeitig mannigfache Leistungen für die Kulturlandschaft. Allein die Bewirtschaftung der Almen ist ein unbezahlbarer Wert für den Tourismus und die Gesellschaft.
Doch das Förderverhältnis stimmt längst nicht mehr. Deshalb benötigt es eine Umverteilung hin zur umweltgerechten Landwirtschaft in den benachteiligten Regionen sowie neue Obergrenzen für die Förderhöhe. Wird das umgesetzt, dürften Kürzungen der Agrarbudgets sicher verkraftbar sein.
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Publiziert am:
Do, 29.07.2010




