Leitartikel
Auf britischen Hochmut folgt der tiefe Fall
Und jetzt die Briten. Nur ein Tag nachdem sich die Euro-Gruppe mit Ach und Krach zu einer Finanzfeuerwehr für den Budgetsünder Griechenland durchgerungen hat, flattert der britische Pleitegeier in die Schlagzeilen. Ausgerechnet Großbritannien. Der hochnäsige Euro-Verweigerer wollte der Welt beweisen, dass er es sich leisten kann, auf die Währungsunion zu pfeifen. Dieser Plan ist offensichtlich gescheitert. Der Inselstaat laboriert noch schwer an den Folgen der Finanzkrise und ertrinkt jetzt im Schuldensumpf. Erst begannen nur die Wolkenkratzer der Geldhäuser in der Londoner City gefährlich zu wanken. Jetzt aber, nachdem die Regierung unvorstellbare 200 Milliarden Pfund in das völlig unregulierte Finanzsystem gepumpt hatte, ist der ganze Staat vom Zusammenbruch bedroht. Allein dieses Szenario muss bei der Europäischen Union die Alarmglocken schrillen lassen. Trotz zarter Aufschwungtendenzen ist die Wirtschaftskrise noch lange nicht durchtaucht. Nun sind die EU-27 aufgerufen, sich schnellstens mit einem Krisenplan für die Schuldenstaaten auseinanderzusetzen. Als die Euro-Länder Griechenland, gefolgt von Spanien, Portugal und Irland in budgetäre Nöte schlitterten, hat Brüssel diese Verantwortung noch mit hämischem Grinsen an die Währungsunion abgegeben. Ein Euro-Verweigerer wie das Vereinigte Königreich muss sich der EU-Defizitgrenze aus dem Vertrag von Maastricht nicht bindend unterwerfen, besitzt aber deshalb noch lange keinen Freifahrtschein für budgetäres Misswirtschaften. Die britische Budgetkrise ist aufgrund der Größe der Volkswirtschaft um ein Vielfaches gefährlicher als die griechische. Jetzt geht es aber nicht mehr darum, erneut Milliarden aus dem Nichts in die kranken Staaten zu pumpen. Da Geld in Zeiten wie diesen in allen Töpfen knapp ist, muss die EU einen Masterplan schmieden, wie man auch Mitgliedsstaaten zur Budgetsanierung in einen geordneten Konkurs schicken kann.
Verwandte Artikel:
Publiziert am:
Mi, 17.03.2010




