29.01.2010, 09:54  Aktualisiert: 06.02.2010, 08:19 

Österreich

Abrüsten im Netz: Protest kippt Bundesheer-Video

Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) lässt umstrittenen Werbespot von der Homepage entfernen und kündigt interne Konsequenzen an..
Video

Wien – Schadensbegrenzung an mehreren Fronten, trotz Kollateralschäden – unter diesem Tagesbefehls-Motto stand der gestrige Tag beim österreichischen Bundesheer. Stein des Anstoßes: Ein Werbevideo, das die Marketingabteilung auf die Homepage des Verteidigungsministeriums gestellt hatte. Die Süddeutsche Zeitung machte den peinlich geratenen Spot publik, auf Weisung von Ressortchef Norbert Darabos (SPÖ) wurde das Video entfernt – jetzt ist es nur noch auf Youtube zu finden.

„Na Mädels, Lust auf ne Spritztour“, fragt ein im Panzer anbrausender Jüngling eine Gruppe Mädchen, die daraufhin den glatzköpfigen Macho im Sportwagen stehen lässt und dem Militärfahrzeug hinterherrast – „Vergiss es, ich will mit große Dinger (sic!) fahren.“ Alle Darsteller des Spots waren Laien, bestätigte Sprecherin Ute Axmann, „damit die Kosten gering bleiben“. Ursprünglich hatte das Bundesheer das Video verteidigt, Darabos reagierte aber auf die „aktuelle Sexismus-Kritik am Inhalt des Spots“, wie er sagte. Unter anderem hatte sich ÖVP-Frauensprecherin Maria Rauch-Kallat über das „diskriminierende Frauenbild“ empört.

„Wir wollen keine Gefühle verletzen“, erklärte Axmann gestern. Der Spot sollte Werbung für das Bundesheer im Rahmen der Aktion „Heer 4 You“ machen, die Vorlage für den Film haben sich die Österreicher von der ukrainischen Armee abgeschaut.

Fähnrich Cornelia Lauschmann (24), im letzten Jahr ihrer Ausbildung an der Militärakademie Wiener Neustadt, fühlt sich als Frau nicht durch den Spot gekränkt. „Das Video ist nicht mein Fall, aber ich würde es auch nicht frauenfeindlich nennen, der Mann kommt ja schließlich auch nicht gut weg“, meinte sie gegenüber der TT. Die Salzburgerin wusste schon im Alter von 12 Jahren, dass sie später einmal zum Bundesheer gehen will. „Als ich den Wunsch schon hatte, waren Frauen noch gar nicht zugelassen“, erinnert sie sich. Diskriminierung aufgrund des Geschlechts habe sie noch keine erfahren, man müsse sich als Frau aber sehr beweisen, um beim Heer akzeptiert zu werden. (car)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 29.01.2010  09:54
aktualisiert: Sa, 06.02.2010  08:19
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