04.02.2010, 19:54  Aktualisiert: 05.02.2010, 09:52 

Schwaz

Mehrere Lawinen-Tote: Opfer setzte unter Schneemassen Notruf ab

Eine Lawine im Zillertal forderte am Donnerstag ein Menschenleben. Eine Tourengeherin konnte nur noch tot geborgen werden. Der Donnerstag forderte zahlreiche weitere Todesopfer im Schnee.

Von M. Klausner und M. Reisigl

Hochfügen – Erst nach Einbruch der Dunkelheit ging Donnerstagabend der Notruf bei der Leitstelle ein. Ein verschüttetter Tourengeher aus Bayern hatte ihn – noch unter einer Lawine am Sonntagsköpfl oberhalb von Hochfügen begraben – abgesetzt. Mehrere Stunden war er bereits verschüttet, bis er zu seinem Handy vordringen konnte. Ein Luftloch hatte ihn am Leben gehalten. Mit seinem Anruf konnte der Tourengeher Hubschrauber und Rettungsmannschaft zu dem Unglücksort lotsen. Für seine Freundin kam jedoch jede Hilfe zu spät. Sie konnte nur noch tot aus den Schneemassen geborgen werden.

Damit kamen allein am Donnerstag fünf Wintersportler in Österreich bei Lawinenabgängen ums Leben. Eine 29-jährige Oberösterreicherin starb im Bezirk Gmunden, ein 22-jähriger Deutscher in Vorarlberg und am Abend wurden zwei tote Snowboarder in Salzburg geborgen. Auch in den Allgäuer Alpen kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall: Drei Armeeangehörige aus Großbritannien wurden bei einer Skitour von einem Schneebrett erfasst und verschüttet. Während zwei Personen mit dem Leben davonkamen, starb der dritte unter den Schneemassen. Die Briten waren in einer 27-köpfigen Soldatengruppe im Allgäu, um an einer Schulung teilzunehmen.

In Achenkirch hatte ein Lawinenabgang bereits gegen Mittag für einen Großeinsatz der Suchmannschaften und viel Ärger gesorgt. Stundenlang mussten die Einsatzkräfte einen Lawinenkegel abseits der Pisten des Skigebiets Christlum durchforsten. Um dann zu erfahren, dass die Auslöser der Lawine sich aus dem Staub gemacht hatten. Die drei Wintersportler dürften unter der Pistenabsperrung durchgeschlüpft sein, um so den gesicherten Skiraum zu verlassen.

Gegen Mittag hatten Sportler, die ebenfalls außerhalb der Piste unterwegs waren, Alarm geschlagen. Sie hatten einen Lawinenabgang in einer extrem steilen Rinne beobachtet. Drei Skifahrer habe es erwischt, hieß es vorerst. Rund 50 Bergretter und Polizisten rückten samt Hunden aus. Hilfe aus der Luft gab es dann noch durch zwei Hubschrauber-Crews. „Die Suche war auch für die beteiligten Helfer nicht ganz ungefährlich. Es sind sogar noch während des Einsatzes einige Schneebretter abgegangen“, ist Emanuel Angerer, Obmann der Achenkircher Bergrettung, sauer. Dass die Skifahrer in die steile Rinne eingefahren sind, „war bei diesen Verhältnissen die reinste Kamikazeaktion“.

Die Bergretter fanden Spuren, die in den Lawinenkegel hineinführten. Offenbar war einer der Skifahrer verschüttet worden. „Er hat Ski und Stöcke verloren“, weiß Angerer. Nachdem sie ihren Kameraden selbst ausgegraben hatten, „machten sich die Skifahrer aus dem Staub“. Nach einer intensiven Suche brachen die Retter die Aktion schließlich ab. Die drei Lawinenopfer waren dabei beobachtet worden, wie sie Richtung Tal fuhren. Dass sich das Trio nicht sofort gemeldet hat, ist für die Bergretter besonders ärgerlich. „Die Kosten für so einen Einsatz werden schließlich auf den Steuerzahler abgewälzt“, sagt Angerer. Auch Peter Veider von der Tiroler Bergrettung hat für eine solche Aktion kein Verständnis: „Glücklicherweise ist das nicht die Regel.“ Er appelliert an Betroffene, sich zu melden, um eine Suchaktion zu vermeiden – es werde ja keine Rechnung gestellt.

Nicht aus dem Staub gemacht - aber einen Einsatz storniert haben Wintersportler am Kitzbüheler Horn, nachdem ein Skifahrer von einem Schneebrett erfasst und 160 Meter mitgerissen wurde. Die Begleiter des Opfers aus Deutschland und Australien setzten sofort einen Notruf ab und fuhren dann zu dem teilweise verschütteten Lawinenopfer.

Ein weiterer Augenzeuge half der geschockten Gruppe, den Verschütteten auszugraben und er stonierte schließlich auch den Einsatz der Rettungskräfte, da der Skifahrer unverletzt war.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 04.02.2010  19:54
aktualisiert: Fr, 05.02.2010  09:52
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