06.02.2010

Innsbruck

Kein Geld für Deutschkurse

Ministerin Heinisch-Hosek will als Sprachrohr für die Integrationsvereine Druck machen. Deutschkurse sollen nicht gestrichen werden.

Von Miriam Sulaiman

Innsbruck – Damit hatte Katarina Ortner einfach nicht gerechnet. Die Leiterin des Vereins „Frauen aus allen Ländern“ machte sich keinerlei Gedanken über Budgetkürzungen. „Natürlich hört man überall von Kürzungen. Aber überall heißt es, wie wichtig Deutschkurse sind“, schüttelt sie noch immer ungläubig den Kopf. Das Innenministerium strich seine komplette Förderung von 30.000 Euro für 13 Kurse. „Bei insgesamt 17 Kursen macht die Einrichtung keinen Sinn mehr. Auf die Deutschkurse bauen auch alle anderen Angebote wie die Beratungen auf. So können wir zusperren. Das bringt nichts mehr“, teilt sie Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek bei deren Tirolbesuch ihre Sorgen mit.

Diese ist keineswegs überrascht. „Ich habe schon mehrfach gehört, dass Gelder für Integrationsmaßnahmen gestrichen wurden. Die Einrichtungen kommen alle dann zur Frauenministerin und bitten um Hilfe. Ich soll sie auffangen und helfen“, erzählt die SPÖlerin. Dies könne aber nicht lange gut gehen. „Ich werde schleunigst meine Kollegin fragen, wo ihre Prioritäten sind und den Druck verstärken. Ich werde das Sprachrohr für die Einrichtungen sein“, kündigte Heinisch-Hosek an.

Denn der Widerspruch liege klar auf der Hand. Einerseits spricht man seitens des Bundes von mehr Integrationsmaßnahmen und dann wird genau hier der Rotstift angesetzt. „Ich kann nicht Integration predigen und sie dort, wo ich sie habe, abschaffen“, wirft auch Nationalrätin Gisela Wurm ein.

Von dem Innsbrucker Projekt zeigte sich die Ministerin außerdem überzeugt und erklärte, die Erfahrungen weitertragen zu wollen: „Ich möchte nämlich das heurige Jahr vor allem Frauen mit Migrationshintergrund widmen“, fügte sie hinzu. Sie wolle deren Anliegen erfahren.

Und dies sei nicht hauptsächlich die Gewalt in der Familie, berichtete Sozialarbeiterin Silvia Ortner. Die Frauen würden meist Rechtsberatung suchen. Auch die Jobsuche sei ein Thema. „Sie denken meist aber erst an einen Putzjob. Selbst kommen sie gar nicht auf andere Ideen. Obwohl die Frauen oft eine Ausbildung haben“, erläutert Ortner.

Aber auch von Ausländerfeindlichkeit würden die Migrantin­nen berichten. So sehr, dass Ortner dies inzwischen dokumentiert: „Ein schwarzes Kind wurde geschlagen, eine schwangere Frau geschupft. Und als eine nach der Milch fragte, hieß es etwa, sie solle erst Deutsch lernen.“ In den Kursen würden den Frauen somit auch Handlungsstrategien beigebracht, wie sie in solchen Situationen reagieren könnten.

„Das macht betroffen und ist oft unvorstellbar“, meint die Minsterin. Dass es dafür ein eigenes Integrationsministerium geben soll, ließ sie offen: „Bis 2013 haben wir es so, wir wie es haben. Dann werden die Karten neu gemischt. Vieles wird neu diskutiert, auch ob es sinnvoll ist, die Integration mit der Sicherheit zu verbinden.“

Bekanntlich hatte sich ja der Soziallandesrat Gerhard Reheis dezidiert für eine Aufwertung des Ressorts Integration mit einem eigenen Ministerium oder Staatssekretariat ausgesprochen.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 06.02.2010
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