Keiner will sich die Finger am Müll verbrennen
Die Errichtung einer Müllverbrennungsanlage ist eine heikle Angelegenheit. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, ist sie möglich.
![]() |
||
Seit Jahren leidet die Politik unter dem Müllfieber. Jahrelang wurde eine Lösung auf die lange Bank geschoben. Man nahm lieber 90 Millionen Euro an Strafzahlungen in Kauf, als eine zukunftsorientierte Müllverwertung zu realisieren. Die Bestrebungen, eine Müllverbrennungsanlage in Tirol zu errichten, scheiterte am Protest der betroffenen Anrainer im Unterland. Jetzt werden die 155.000 Tonnen Müll exportiert.
Eine recht bequeme Lösung, weil man sich mit dem eigenen Müll nicht die Hände schmutzig machen muss. Um den geplanten kleinen Müllofen ist es hingegen still geworden. Die Verbände machen keinen Druck, das Land lässt vorerst die Finger davon: Europaweite Überkapazitäten in den thermischen Verwertungsanlagen ziehen nämlich die Rentabilität des Tiroler Müllofens in Zweifel. Angesichts knapper Haushaltskassen will niemand Hunderte Millionen in den Sand setzen.
Dass Umweltreferent Hannes Gschwentner jetzt die Standortsuche für einen Müllofen gestoppt hat, dürfte mehrere Gründe haben: Zum einen geht es um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einer Verbrennungsanlage, zum anderen könnte es ein Weckruf an die Verbände sein. Sie müssen die Anlage forcieren, schließlich wird ihr ausgesiebter Müll dort verbrannt. Gschwentner wagt damit ein gefährliches Spiel, denn die mächtigen Abfallverbände werden mit seiner Vorgehensweise keine Freude haben.
Einen Betreiber zu finden, dürfte nicht schwer sein, haben sich doch die Innsbrucker Kommunalbetriebe und die ober- österreichische AVE an der „Thermische Abfallverwertung/TAV“ des Telfer Industriellen Arthur Thöni beteiligt. Vorerst muss jedoch rasch die Frage geklärt werden, ob eine Verbrennungsanlage überhaupt Sinn macht.
An einer Richtungsentscheidung mit allen Konsequenzen wie eventuelle Standortwahl für einen Tiroler Müllofen werden Land und Abfallverbände nicht mehr vorbeikommen. Denn einen weiteren Flop zulasten der Müllgebühren und letztlich der Bevölkerung können sie sich nicht mehr leisten.
Lesen Sie dazu mehr auf Seite 4
peter.nindler@tt.com















Ihre Meinung zu diesem Thema
jetzt anmelden