Müllverbrennung hat derzeit keine Priorität
Europaweite Überkapazitäten und günstige Preise stellen eine eigene Verbrennungsanlage in Tirol infrage.
Von Peter Nindler
Innsbruck – Ein Müllofen in Tirol ist ein heißes Eisen, wie überhaupt die gesamte Abfallpolitik. Zwischen dem Land und den einzelnen Verbänden herrscht nicht immer Einigkeit, vor drei Jahren einigte man sich aber auf einen Müllkompromiss: Bis zur Errichtung einer Müllverbrennungsanlage wird der Tiroler Müll zur thermischen Verwertung exportiert. Im Vorjahr wurde er ins Ausland verbracht, heuer landet er in Verbrennungsöfen in Niederösterreich.
Ursprünglich wollte das Land bereits mit der strategischen Umweltprüfung für einen geeigneten Standort in Tirol beginnen, doch die geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen veranlassen das Land jetzt zu einem Stopp. „Angesichts der vorherrschenden Überkapazitäten und den günstigen Preisen müssen wir die Errichtung einer Anlage in Tirol kritisch hinterfragen“, betont Umweltreferent LHStv. Hannes Gschwentner. Letztlich müssten die einzelnen Verbände diese Frage beantworten – und an einem Strick ziehen, wenn eine Verbrennungsanlage realisiert werden sollte.
Der Geschäftsführer der Abfall Tirol Mitte, Alfred Egger, beurteilt die Situation nüchtern. „Natürlich wäre es besser, wenn wir beim Müll unabhängig wären und die von den mechanischen Anlagen aussortierte heizwertreiche Fraktion im Land selbst verbrennen könnten.“ Entscheidend sei aber die Wirtschaftlichkeit und die Müllmenge. Egger: „Die Anlage muss ausgelastet sein – auch ohne Importe aus anderen Ländern.“ Sollte die Verbrennung in Tirol billiger bzw. gleich teuer sein wie der aktuelle Müllexport, „so sollten wir einen Wirbelschichtofen bauen und rasch einen Standort suchen“. Sei die Wirtschaftlichkeit aber nicht gegeben, habe ein eigener Müllofen keinen Sinn. Aber nach wie vor stehe die Abfallwirtschaft zu dem seinerzeit ausgehandelten Kompromiss mit der Tiroler Landesregierung.















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