Österreich
„Die Banken müssen pleitegehen“
Von Max Strozzi
Innsbruck – „Wir schleppen auch die Lahmen mit“, warnte Finanzexperte Udo Steffens jüngst am Rande seines Vortrags am Innsbrucker MCI gegenüber der TT. Der Präsident der Frankfurter School of Finance & Management bezieht sich dabei auf den Bankensektor und sieht dabei die USA im Vorteil. „Die Amerikaner haben 140 Banken pleitegehen lassen, das haben wir in Europa nicht getan“, kritisierte der Deutsche. „Damit wird die natürliche Ausgrenzungsfunktion des Marktes ausgesetzt. Das wird sich noch rächen und zu einer Konsolidierung führen.“ Auch die Kärntner Hypo Alpe Adria hätte man seiner Ansicht nach pleitegehen lassen sollen.
30.000 Mrd. Dollar an Staatshilfen sind in den vergangenen Jahren weltweit in die Wirtschaft geflossen, das sind fast 4000 Dollar je Weltbürger. Wer nun alle Banken rettet, überfordert die Finanzierung des Systems. Zudem zeige die jetzige Situation die paradoxe Abhängigkeit auf: Der Staat ist auf Banken angewiesen, um Banken zu retten. „Um sich zu refinanzieren, vergibt der Staat Anleihen. Und wer kann sich die Milliarden leisten, außer die Banken?“ Aus diesem Grund werde Deutschland auch die Griechen nicht pleitegehen lassen: „Banken haben für 36 Mrd. Euro Anleihen gekauft – sie haben kein Interesse, dass die platzen.“
Was die Regulierung des Bankensektors betrifft, vermisst Steffens eine „europäische Aufsichtsbehörde“. Er ortet einen Reformansatz auch darin, Banken kleiner zu halten, um sie nicht systemkritisch werden zu lassen. Diskutiert würden dabei Abgaben in Staatsfonds – je größer die Bank, desto größer die Abgabe. Gleichzeitig aber erachtet er eine Bankensteuer als gefährlich. Schließlich könnten dann Geldinstitute bei einer Schieflage automatisch ihre Rettung einfordern. Als größte Herausforderung sieht Steffens aber den Umgang mit ausufernden Managerboni. „Denn junge Talente können einem solchen Anreizsystem nicht widerstehen.“



