18.03.2010, 11:06  Aktualisiert: 23.08.2010, 11:10 

International

Megadeal in der Pharmaindustrie: Israelis schlucken Ratiopharm

Ratiopharm geht für 3,6 Mrd. Euro an den weltgrößten Generikahersteller Teva Pharmaceutical.
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Ulm – Der deutsche Generikahersteller Ratiopharm wird an den israelischen Konkurrenten Teva Pharmaceuticals verkauft. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Der Verkaufspreis liegt bei 3,6 Mrd. Euro. Bis zuletzt waren noch der US-Pharmakonzern Pfizer und die isländische Actavis im Rennen.

   Teva will Ulm nach früheren Aussagen von Teva-Chef Shlomo Yanai und Europa-Chef Gerard van Odijk zur „Drehscheibe des Europageschäfts“ machen. Mit einem Umsatz von 13,9 Mrd. US-Dollar (10,10 Mrd. Euro) ist Teva unter die 15 größten Arzneimittelhersteller weltweit vorgerückt. Bis 2015 soll sich der weltweite Umsatz auf 31,2 Mrd. Dollar verdoppeln, in Europa auf 9,2 Mrd. Dollar fast verdreifachen. Mit dem Ratiopharm-Kauf würde Teva in Europa die Nummer eins.

Schulden trieben Ratiopharm in den Ruin

Der Alleinerbe der Merckle-Gruppe, Ludwig Merckle, muss Ratiopharm verkaufen, um Bankschulden zu tilgen. Die Gruppe war wegen der Wirtschaftskrise und Spekulationen mit VW-Aktien in eine finanzielle Schieflage geraten. Den drohenden Zusammenbruch hatte sein Vater, Adolf Merckle, nicht verkraftet und im Jänner 2009 Selbstmord begangen.

Bisher läuft die Entschuldung vor allem durch die Verringerung der Beteiligung am Baustoffhersteller HeidelbergCement besser als gedacht: Die Finanzverbindlichkeiten lagen zuletzt bei deutlich weniger als 3 Mrd. Euro. Zum Höhepunkt der Finanzschwierigkeiten der Dachgesellschaften VEM hatten sich Schulden von rund 5 Mrd. Euro angehäuft. Ratiopharm gilt als Filetstück der Gruppe und ist im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz des Kostendrucks im Gesundheitswesen von Gewinneinbrüchen verschont geblieben.

Teva hatte bereits vor zwei Jahren den amerikanischen Konkurrenten Barr Pharmaceuticals für 5,1 Mrd. Euro gekauft. Bei der Präsentation vor einer Führungsriege von Ratiopharm verwies das Unternehmen dem Vernehmen nach auf seine langjährige Erfahrung mit Großübernahmen. Seit 2003 kaufte Teva mehr als 5 Mrd. Dollar Umsatz zu und gab dafür mehr als 18 Mrd. Dollar aus. (APA/dpa)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 18.03.2010  11:06
aktualisiert: Mo, 23.08.2010  11:10
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