19.03.2010, 12:08  Aktualisiert: 28.05.2010, 09:09 

Österreich

Erschreckende Fälle von Rassismus in Österreich

2009 wurden von der Anti-Rassismus-Stelle Zara 94 Fälle mehr als im Vorjahr registriert.
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Wien – Seit zehn Jahren gibt es die Anti-Rassismus-Stelle Zara - und von einer Besserung der Situation von Menschen mit Migrationshintergrund könne keine Rede sein. Diese ernüchternde Bilanz wurde heute bei einer Pressekonferenz anlässlich der Präsentation des „Rassismus-Report 2009“ Auch im Vorjahr wurden von Zara wieder 798 Fälle, das sind 94 mehr als im Vorjahr. Insgesamt waren es in den vergangenen zehn Jahren 7.300 Vorfälle.

Die Dunkelziffer der rassistischen Begebenheiten liegt wohl deutlich höher. Man könne nur jene Fälle auflisten, die Zara gemeldet werden, betont die Initiative. Der größte Teil der Vorkommnisse entstammt wie immer dem öffentlichen Raum, das heißt es handelt sich um Vorfälle, die etwa auf der Straße, in einem Verkehrsmittel oder bei einer Veranstaltung passieren, etwa das Skandieren von Parolen wie „Juden-Wien“ durch Anhänger des Fußball-Vereins LASK bei einem Spiel gegen die Wiener Austria.

Auch der Bereich Medien hat wieder in den Rassismus-Report Eingang gefunden. So wird etwa ein Sportreporter anlässlich eines Marathons mit folgenden Worten zum Sieger aus Kenia zitiert: „Als Preisgeld erhält er 15.000, dazu kommen noch Zeitgelder. Dann kann er sich zu Hause ein paar Bananen oder andere exotische Früchte mehr kaufen.“ Konfrontiert mit der Aussage bedauert der Kommentator diese ausdrücklich und betont, dass ihm jede Form von Rassismus zutiefst zuwider sei.

„Ethnic profiling“ angeprangert

Besonderes Augenmerk wurde heuer von Zara auf rassistische Diskriminierungen durch Angehörige öffentlicher Institutionen gelegt. Angeprangert werden Methoden wie „Ethnic profiling“ gegen Georgier und Moldawier im Rahmen einer Polizei-Aktion gegen Einbruchskriminalität und der öffentlich bekannte Fall, als ein afro-amerikanischer Lehrer in einer U-Bahn aufgrund einer Verwechslung Opfer eines Polizeieinsatzes wurde und dabei Verletzungen erlitten hat. Kritisiert wird von Zara, dass bis heute von der Justiz nicht geklärt ist, ob es zu einer Anklage kommt.

Aber auch bei Gericht wurde 2009 ein als rassistisch klassifizierter Fall aufgezeichnet. So habe ein Sachverständiger einen Ägypter in einem Obsorge-Verfahren gefragt, ob in seiner Familie „Frauen als zweitklassig angesehen werden.“

Frauen Plasmaspende verweigert

Gleich zwei Beschwerden gingen bei Zara ein, weil Frauen die Abgabe einer Spende in einem Plasmaspendeinstitut verweigert wurde - der Grund: Sie hätten „Sexualkontakt“ zu Afrikanern. Eine der beiden Frauen ist seit zwölf Jahren mit einem Westafrikaner verheiratet. Besonders viel Öffentlichkeit erhielt im Vorjahr eine Unilever-Kampagne für die neue Eissorte „Mohr im Hemd“.

All das lässt Zara-Geschäftsführerin Barbara Liegl einen Aufschrei der Politik fordern. Es müsse endlich eine klare Ansage geben, dass Rassismus in der Gesellschaft nicht geduldet werde. Zudem bedürfe es einer Info-Offensive, wohin sich Opfer von Rassismus wenden könnten. Grünen-Menschenrechtssprecherin Alev Korun ergänzte per Aussendung, dass es eines Rechtsstaates unwürdig sei, wenn Diskriminierungsopfer vom Recht alleingelassen würden, da sie das volle Prozesskostenrisiko tragen müssten, wenn sie ihr Recht einklagten. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 19.03.2010  12:08
aktualisiert: Fr, 28.05.2010  09:09
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