21.03.2010

Innsbruck

Im Fleischregal versteckt sich auch in Tirol Gentechnik

Tirol hat der Gentechnik zwar längst den Kampf angesagt, der Konsument ist aber trotzdem nicht davor gefeit.

Von Maria Reisigl

Innsbruck – Der Teufel steckt bekanntlich im Detail, und bei der Gentechnik schläft er auch in Österreich nicht. Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Inhaltsstoffen müssen in Österreich für den Konsumten offensichtlich gekennzeichnet sein. Die heimischen Lebensmittelketten haben sich außerdem dazu bekannt, keine derartigen Lebensmittel in ihrem Sortiment zu führen.

Das Fleischregal ist allerdings äußerst tückenhaft. Der Einsatz von gentechnisch veränderten Futtermitteln ist nämlich auch in Österreich erlaubt. Das Fleisch, das aus den Tieren erzeugt wird, die dieses Futter fressen, muss nicht extra gekennzeichnet werden, heißt es bei der Agentur für Lebensmittelsicherheit Ages. Für den Kunden ist daher nicht ersichtlich, ob das Fleisch im Regal mit gentechnisch verändertem Futtermittel erzeugt wurde oder nicht.

Vor allem in der Schweine- und Hühnerzucht ist Soja ein wichtiger Bestandteil des Futters. In Österreich – wo der Anbau gentechnisch veränderter Organismen strengstens verboten ist – kann der Sojabedarf für die Mast nicht gedeckt werden. Der Großteil des Sojas am Weltmarkt ist bereits gentechnisch verändert. So müssen auch die österreichischen Fleischerzeuger häufig auf Futtermittel mit Gen-Soja zurückgreifen. Dieses Futter ist zudem auch noch deutlich billiger als gentechnisch unverändertes.

„Eine Tonne gentechnikfreies Futtermittel kostet schon für uns im Einkauf – abhängig vom jeweiligen Tagespreis – zwischen 25 und 30 Euro mehr als gentechnisch verändertes“, erklärt etwa Joachim Knapp, Vertriebsleiter beim Tiroler Lagerhaus. Dort werden im Jahr rund 20.000 Tonnen Futtermittel aus Eigenproduktion verkauft und weitere 5000 Tonnen, die das Lagerhaus von anderen Lieferanten zukauft.

Laut Knapp ist die Nachfrage nach gentechnisch verändertem Futtermittel in Tirol in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Auch im Sortiment des Tiroler Futtermittelherstellers Rauch hat Gentechnik nichts verloren. „Wer so etwas haben will, der muss es woanders kaufen“, sagt Geschäftsführer Stefan Pickl.

Für die sinkende Nachfrage nach Gen-Futter nennt Knapp mehrere Gründe. In Tirol gebe es kaum Mastbetriebe. Der Großteil der heimischen Landwirte halte die Kühe für die Milchwirtschaft. Schweine, Hühner und Ziegen seien für den Eigenbedarf am Hof. Dazu komme, dass sich die Tirol Milch der Gentechnik-Freiheit verschworen hat und von ihren Milchlieferanten einfordert, dass die Tiere nur mit gentechnikfreien Futtermitteln versorgt werden. „Für die anderen Tiere am Hof kauft man nicht wieder extra Futter“, erklärt Knapp.

Weil die Fleischproduktion der Tiroler Bauern aber für den Bedarf im Land viel zu gering ist, kommen Schweineschnitzel, Ripperl, Kotelett, Hendel und Co. großteils aus Ostösterreich, Italien oder Deutschland. Auch das Fleisch für Wurstwaren stammt nur zu einem geringen Teil aus Tirol.

Die heimischen Lebensmittelhändler achten zwar darauf, dass sie den Großteil ihres Fleischsortiments mit Österreichischen Lieferanten abdecken. „Doch selbst bei jenen Produkten, die das AMA-Gütesiegel tragen, können wir keine Garantie für absolute Gentechnikfreiheit in der Erzeugungskette abgeben“, sagt Hermine Hackl von der Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH (AMA).

Einige Hersteller wie etwa Hörtnagl oder die Agrarmarketing Tirol wollen sich trotzdem das Siegel der Gentechnikfreiheit anheften. Deshalb verlangen sie von ihren Fleischlieferanten, dass das Futter gentechnikfrei sein muss.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom So, 21.03.2010
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