Forschung
Schau mal, was ich dir zeige
Infos
Babyzeichensprache. Die „Baby Sign Language“ wurde in den 1980er-Jahren in den USA entwickelt. Ein Kinderpsychologe hatte nämlich beobachtet, dass Kinder die Hand-Augen-Koordination wesentlich schneller erlernen als die gesprochene Sprache. Hörende Babys, von denen mindestens ein Elternteil gehörlos war, konnten demnach viel früher mit Gebärden kommunizieren, als Kinder gleichen Alters sprechen.
Kurse in Tirol. In Tirol vermittelt die Schwazerin Karin Mascher das Wissen der Babyzeichensprache. Sie bietet u. a. mehrteilige Kurse an (Elternteil mit Kindern), zudem einmalige Workshops, in denen das Wissen nur an die Erwachsenen vermittelt wird. Informationen unter www.babyzeichensprache.com oder bei Karin Mascher unter Tel. 0664/73362700.
Vortrag über die Babyzeichensprache. Wer sich über die Babyzeichensprache informieren will, hat dazu am 22. April in Innsbruck Gelegenheit. Karin Mascher wird in der Zeit von 9 bis 10 Uhr in der Mutter-Eltern-Beratung (An-der-Lan-Straße 43, Innsbruck) über das Thema sprechen. Die Teilnahme ist kostenlos, lediglich um Anmeldung wird gebeten unter der Telefonnummer 0512/260135 oder per E-Mail unter regina.klingenschmid@tirol.gv.at.
Von Irene Rapp
Innsbruck – Eigentlich liegt es ja auf der Hand – im wahrsten Sinne des Wortes: Schon sehr früh können Kleinkinder etwa zeigen, wie groß sie sind. Und sehr früh haben sie Spaß daran, Bekannten oder Fremden zuzuwinken. Doch die Zwerge könnten noch viel mehr, weiß Karin Mascher, gelernte Kindergartenpädagogin. „Im Unterschied zur Sprachmotorik, die sich erst später entwickelt, ist die Handmotorik schon früh ausgeprägt“, erzählt die Schwazerin. Und so könnten Kinder bereits im zarten Alter von wenigen Monaten durch zahlreiche Gesten zeigen, was sie bewegt oder wo sie der Schuh drückt.
Die Babyzeichensprache besteht demnach aus rund 300 verschiedenen Zeichen mit Armen und Händen an unterschiedlichsten Stellen des Körpers. „Die einzelnen Gesten sind der deutschen Gebärdensprache entnommen“, sagt Mascher. Sie wurde vor zwei Jahren von ihrer Hebamme auf die Babyzeichensprache aufmerksam gemacht, absolvierte einen Kurs in Deutschland und bietet diese Methode seitdem in Tirol – derzeit in Schwaz – an.
Vor dem Vermitteln der Theorie überzeugte sich Mascher noch in der Praxis von dem in Leipzig Gelernten: „Ich habe meinem zweiten Sohn, der damals eineinhalb Jahre alt war, einige Zeichen gezeigt und ich hatte den Eindruck, dass er in der Folge schneller reden lernte“, erzählt die 35-Jährige.
Die Erwachsenen, die sie derzeit in ihren Kursen in die Babyzeichensprache einführt, berichten aber noch von weiteren positiven Effekten. So würde sich die Kommunikation zwischen Mutter und Kind verbessern, weil sich die Kleinen genauer ausdrücken könnten. „Auch die größeren Geschwister machen begeistert mit“, weiß Mascher. Das Vermitteln der einzelnen Zeichen passiere übrigens so nebenbei: „Die Mutter sagt z. B. ‚jetzt gehen wir baden‘ und macht die entsprechende Handbewegung dazu. Und irgendwann einmal kombinieren die Kinder das Gehörte und Gesehene und machen es dann selbst nach.“
Wie lange es bis zum erfolgreichen Nachahmungseffekt dauert, hänge dann vom jeweiligen Kind ab. Beim einen brauche es dafür weniger Zeit, beim anderen mehr. „Nach rund sechs bis acht Wochen sollte jedoch ein Feedback kommen“, sagt Mascher.
Während sich bei uns die Babyzeichensprache noch in den Kinderschuhen befindet, ist die Methode in den USA und in Großbritannien hingegen weit verbreitet. Dort belegen inzwischen auch zahlreiche Studien die positiven Auswirkungen: Durch die Kombination von akustischen und visuellen Reizen komme es etwa zu mehr Verbindungen zwischen Gehirnnervenzellen, was die Lernfähigkeit erhöhe.
Kinder würden auch nicht – wie oft befürchtet – später mit dem Reden beginnen. „Ein Kind, das krabbelt, fängt ja auch zu laufen an – obwohl es sich mit dem Krabbeln auf allen Vieren schon fortbewegen könnte“, nennt Mascher ein vergleichbares Beispiel.
Beobachtet wurde aber auch, dass durch die Babyzeichensprache die Kinder weniger oft frustriert seien – einfach, weil sie sich besser ausdrücken könnten. „Wenn sie merken, dass Mama aufgrund ihres Zeichens sofort versteht, was sie wollen oder brauchen – dann sind sie glücklicher“, weiß Mascher.



