15.05.2010

Sparen beim Heiraten

Sparen, ohne zu bedauern

Eine Hochzeit soll ein rauschendes und unvergessliches Fest werden. Das kann aber auch ganz schön ins Geld gehen. Wo man sparen darf und wo auf keinen Fall, erzählen Experten, die es wissen müssen.

Von Maria Reisigl, Christian Willim

Innsbruck – Ab Mai grassiert traditionell das Hochzeitsfieber. Auf sommerliches Wetter für den schönsten Tag im Leben kann das Brautpaar dabei nur hoffen. Das Budget für das große Fest hat es dafür selbst in der Hand. Doch wer will sich bei dem großen Fest schon lumpen lassen? Und so läppern sich die Kosten für diverse Wünsche schnell zu einer ansehnlichen Summe zusammen. Den Sparstift in der Planung anzusetzen, muss aber nicht schmerzen. Vorausgesetzt, man macht es richtig.

Das fängt schon bei der Garderobe an. So manches Geschäft für Brautmoden bietet nämlich Kleider aus zweiter Hand an. Ein Brautkleid wird meist ja ohnehin nur an einem Tag getragen. Nach der Reinigung ist es fast wie neu und kann mitunter auch eine zweite Braut sehr glücklich machen, anstatt in einem Kasten zu verstauben.

„Die angehenden Bräute stört es nicht, dass ihr künftiges Brautkleid schon einmal getragen wurde“, sagt Helga Windisch von Brautline in Buch bei Jenbach. Sie bietet in ihrem noch jungen Laden überhaupt nur gebrauchte Brautkleider an, die zwischen 300 und 700 Euro kosten.

„Ich hab nicht extra nach einem gebrauchten Kleid gesucht, aber das hat mir einfach am besten gefallen“, erzählt Melanie Ragg, die im September in ihrem gebrauchten Traum aus Weiß geheiratet hat. Gern hätte sie gewusst, wie es wohl der Vorbesitzerin an ihrem großen Tag ergangen ist. „Das macht schon ein bisschen neugierig“, sagt Ragg.

Der Preis ihres Kleides war für sie nicht ausschlaggebend, aber trotzdem war sie froh, die komplette Brautausstattung mit Kleid, Wäsche und Schuhen zu einem Preis bekommen zu haben, zu dem sie woanders vielleicht nur das Kleid kaufen hätte können.

Auch Dagmar Melmer kann ein Lied von gebrauchten Brautkleidern singen. In ihrem Brautladen „Von Braut zu Braut“ in Barwies gibt es rund 200 Kleider, ein Viertel davon wurde schon mindestens einmal getragen. Diese gebrauchten Kleider sind ganz schön gefragt. Immerhin kosten sie um rund ein Drittel weniger als neue und sind trotzdem einwandfrei. „Wir nehmen nur Kleider an, die in ausgezeichnetem Zustand sind“, sagt Melmer. Denn die Bräute wollen ja auch in einem gebrauchten Kleid alle Gäste in den Schatten stellen.

Zweimal verwerten lassen sich aber nicht nur Kleider, sondern auch Blumen. „Die Banksträußchen aus der Kirche kann man, wenn man einen guten Floristen hat, durchaus auch noch einmal für die Dekoration beim Fest verwenden“, weiß etwa Hochzeitsplanerin Evelyne Schärer. Den Blumenschmuck der Festtafel könnten auch Laien gestalten, vorausgesetzt, das nötige Talent ist vorhanden. „Je schmäler das Budget ist, umso mehr muss man natürlich selbst machen. Aber solche Aufgaben sollten immer nur Leute übernehmen, die bei der Hochzeit keine wichtige Rolle spielen“, so die 40-Jährige. Also weder Braut, Bräutigam noch Trauzeugen. Die hätten auch so genug Stress.

Ein Fall für den Profi sind laut der Expertin auf jeden Fall die Hochzeitsfotos. „Was man für einen Wein getrunken hat, vergisst man schnell. Aber die Bilder hat man ein Leben lang und zeigt sie später noch seinen Enkeln.“

Apropos Speis und Trank. Beides in einem Restaurant zu sich zu nehmen, ist in der Regel billiger als einen Caterer zu beauftragen. „Der muss ja alles zur Location hinbringen. Oft sogar Stühle und Tische. Und das kostet“, so Schärer. Einen zu großen Stellenwert sollte man dem Essen im Übrigen nicht einräumen, zumindest was die Länge des Menüs betrifft. Und das nicht nur aus Kostengründen. „Ich rate immer dazu, nur drei Gänge zu bestellen. Denn jeder Gang dauert im Schnitt eine halbe Stunde. Und man will ja nicht bis ein Uhr essen, sondern auch genug Zeit zum Feiern haben.“

Neben Zeit ist auch Stimmung gefragt, damit die Party richtig in Schwung kommt. Und die nötige Musik dafür muss nicht unbedingt von einer Band kommen. „Besser ein guter DJ als eine schlechte Band“, rät Schärer. Der sei nicht nur billiger, sondern habe auch ein viel größeres Repertoire. Tanzen statt sitzen ist auch angesagt bei einem Event, für den die Brautleute so viel bezahlen wie für einen Kleinwagen.

Wen sie zum schönsten Tag ihres Lebens einladen sollen, sorgt oft im Vorfeld schon für heiße Diskussionen unter den ehewilligen Paaren. Mit jeder Person, die an der Tafel Platz nimmt, steigen die Kosten. Vergrämen will man aber auch niemanden. „Im ländlichen Raum ist es oft üblich, die ganze Verwandtschaft einzuladen. Aber ich finde, man sollte die Leute einladen, die einem wirklich nahestehen“, so die Hochzeitsplanerin. Stehen rund 60 Leute auf der Liste, sei das die perfekte Größe. „Da kann man sich noch mit seinen Gästen unterhalten. Außerdem ist es leichter, einen passenden Ort für die Feier zu finden.“

Eine Suche, die auch zu den Hauptaufgaben eines Hochzeitsplaners zählt. Und wenn man Schärer glauben darf, ist das Engagement so eines Experten der beste Weg zu sparen: „Wir wissen, wo man die beste Leistung für das wenigste Geld erhält, und bekommen die besten Konditionen.“ Jene zehn bis fünfzehn Prozent vom Gesamtbudget, die ein Weddingplaner kostet, würde der damit selbst mindestens wieder hereinspielen.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Sa, 15.05.2010
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