International
Spionage-Prozess gegen Journalistin in Israel begonnen
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Der Prozess gegen Anat Kam, die der Spionage angeklagt ist, soll zumindest zum Teil hinter verschlossenen Türen stattfinden. Foto: EPA/Keidar
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Tel Aviv – Die 23-jährige Anat Kam steht bereits seit einem halben Jahr unter Hausarrest. Sie soll während ihres Militärdienstes etwa 2000 geheime Dokumente kopiert haben und muss mit einer hohen Haftstrafe rechnen. Während viele Israelis sie als gefährliche Hochverräterin sehen, ist sie für andere eine Heldin, die Kriegsverbrechen aufgedeckt hat.
Der Prozess gegen Kam, die der Spionage angeklagt ist, soll zumindest zum Teil hinter verschlossenen Türen stattfinden. „Heute bin ich aus dem Haus gekommen, deshalb fühle ich mich gut“, sagte die junge Frau Journalisten im Tel Aviver Bezirksgericht. Sie kam in Begleitung ihrer Eltern und von Freunden.
Kam soll dem Journalisten Uri Blau von der israelischen Zeitung „Haaretz“ geheime Armeedokumente zugespielt haben. Er hatte im November 2008 einen Bericht unter dem Titel „Lizenz zum Töten“ geschrieben. Darin warf er der Armee vor, entgegen einer Entscheidung des höchsten Gerichts gezielt militante Palästinenser im Westjordanland zu töten, statt sie festzunehmen. Er berichtete auch über geheime Treffen im Büro des Militärkommandanten Yair Naveh, in dem Kam gedient hatte. „Haaretz“ teilte mit, alle Artikel seien dem Militärzensor vorgelegt und von ihm gebilligt worden.
Kams Rechtsanwalt Avigdor Feldman warf dem Inlandsgeheimdienst Shin Bet vor, gegen Versprechen an die Journalistin verstoßen zu haben. Man habe ihr zugesagt, dass sie nicht vor Gericht gestellt werde, wenn sie alle in ihrem Besitz befindlichen Dokumente zurückgibt. „Anat wurde dazu verführt, ein umfassendes Geständnis abzugeben“, sagte Feldman nach Angaben der israelischen Nachrichtenseite „Ynet“. Daher wolle man das Geständnis widerrufen.
Die Anwältin Uri Blaus, Tali Lieblich, sagte am Montag, der Journalist habe inzwischen alle Dokumente zurückgegeben, die er von Kam erhalten habe. Sie wies jedoch Vorwürfe Feldmans zurück, Blau habe sich heimlich mit dem Inlandsgeheimdienst geeinigt und genieße daher Straffreiheit. (APA/dpa)
aktualisiert: Mo, 18.10.2010 10:41



