27.05.2010

Wohnen

Architekturtage 2010: Heimat des Stadtelefanten

Räume, die im Kopf entstehen, Räume, die nicht bestehen (zum Beispiel für Obdachlose) und reale Räume, die im Aufbau begriffen sind, werden bei den Architekturtagen 2010 geöffnet.
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Då isch immer woanders: Programm

Führungen. Kufstein im Wandel I + II (28. Mai 15 und 16 Uhr). Q-West, Chemie-Uni (28. Mai, 15 und 17 Uhr). Orte jüdischen Lebens in Ibk: 29. Mai, 11 Uhr. Ureinheimisch oder gebietsfremd: Völser Innauen, 29. Mai, 14 Uhr. Fremdes Innsbruck, Orte der Not, 29. Mai, 15 Uhr. Heimat finden in Lienz, Stadtführung durch Asylwerberinnen, 28. Mai, 14 und 16 Uhr.

Ausstellungen. Die ganze Welt trifft Osttirol, Johannesplatz Lienz, ab 29. Mai. „Heimatkunde“, Volkskunstmuseum Innsbruck, ab 29. Mai. „Räume der Offshore-Welt“, Bücher Wiederin Innsbruck, ab 28. Mai. „Architektur die brennt“, Waltherpark Innsbruck, ab 29. Mai.

Für Kinder. Parkwerkstatt im Waltherpark Innsbruck, 29. Mai, 14 bis 17 Uhr.

Detailprogramm unter www.architekturtage.at.

Innsbruck – Braucht man einen konkreten Raum, um Vorlesungen oder Vorträge über Architektur zu konsumieren? Längst nicht mehr. Stattdessen bahnt sich Architekturtheorie den Weg aus der Universität hinaus in die freie Wildbahn, wo beliebig über das eigene Nutzerverhalten entscheiden kann, wer ein Empfangsgerät besitzt. Den Auftakt der Architekturtage 2010, die österreichweit am 28. und 29. Mai unter dem Motto „Ansichtsexemplar“ stehen, bildet in Tirol heute Abend (20 Uhr, aut) eine Einführung in das Projekt „Architektur auf iTunes U“ des Innsbrucker Instituts für Architekturtheorie.

Was freilich nicht bedeutet, dass insgesamt keine längeren Fußwege nötig wären, um das Angebot der Architekturtage zu nutzen. Und dass nicht auch reale Räume offenstünden: Neben Ateliers und Architekturbüros sind das auch zahlreiche Baustellen – das Kufsteiner Rathaus, das Rainer Köberl und Giner+Wucherer transformieren, die Innsbrucker Chemie-Uni von din a4, das „Nahversorgungszentrum und Bundesrealgymnasium Q-West“ von Reitter-Eck&Reiter zum Beispiel.

Was trägt Architektur zur Entwicklung eines Heimatgefühls bei?, fragt man sich im Rahmen des vom aut für Tirol kuratierten Programms außerdem. Und titelt mit dem Slogan „Då isch immer woanders“. Woanders wäre man mitunter in der Steuerfluchtbranche gern – und hat Sprachräume wie „Steueroasen“ oder „tax haven“ geschaffen, die in der Ausstellung „Räume der Offshore-Welt“ ab Freitag in der Buchhandlung Wiederin sichtbar gemacht werden. „Då“ sind in Osttirol viele, die zwar nicht da geboren, aber sesshaft geworden sind. „Die ganze Welt trifft sich in Osttirol“ ist eine Ausstellung des Vereins Weltbüro und des Bildungshauses, die in Form eines Schaufensterbummels durch dreißig Länder führt. Jussuf Windischer hingegen führt in Innsbruck an „Orte der Not“ (Samstag, 15 Uhr) – vom Bahnhofssozialdienst bis zu Obdachlosenunterkünften unter der Autobahn – eine „Bedenkwanderung“.

Im Waltherpark haben Architekturstudenten „Architektur die brennt“ aus dem Material der Innplattform von Columbosnext geschaffen: Vom pelzigen Stadtelefanten über eine Leucht-Skulptur bis zu Parasiten an Straßenlaternen. Im Rahmen des Architekturtage-Abschlussfestes am Samstagabend (19 Uhr) werden die besten Projekte prämiert. (jel)

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Do, 27.05.2010
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