International
Welt hängt am gefährlichen Öltropf
Fakten zum Öl
Die bestätigten Ölreserven machen derzeit etwa 180 Mrd. Tonnen aus. Das reicht bei heutigem Verbrauch rechnerisch etwa 50 Jahre. Erdgas hat die Welt nach jetzigen Zahlen noch für 60 Jahre, Kohle etwa für 200 Jahre.
Saudi-Arabien hat mit 36 Mrd. Tonnen weltweit noch die größten Ölreserven, gefolgt von Kanada mit 24 Mrd. Tonnen und dem Iran mit 18 Mrd. Tonnen.
New York, Wien – Das Öldesaster im Golf von Mexiko beherrscht seit zwei Monaten die Schlagzeilen weltweit und hat sich mittlerweile zur größten Umweltkatastrophe in der US-Geschichte entwickelt. Hunderte Millionen Liter Öl sind ins Meer geflossen, die Strände der Region sind auf einer Länge von mindestens 200 Kilometern verschmutzt. Umweltschützer warnen vor unvergleichbaren Folgen für die Natur.
Die Internationale Energieagentur (IEA) prophezeit einen sprunghaften Anstieg des Ölpreises, wenn die Welt wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko dauerhaft auf die bisher stark wachsende so genannte Offshore-Ölförderung im Meer verzichten sollte.
Das ist freilich nicht zu erwarten, treiben doch weltweit Staaten ihre Pläne für Bohrungen in immer tieferen Gewässern voran. Verzögerungen bei der Erschließung der Schätze aus der Tiefe sind für aufstrebende Länder wie Brasilien, Nigeria und Angola, in denen das so genannte Schwarze Gold als Rückgrat des künftigen Wirtschaftswachstums gilt, aber auch in Australien oder der Nordsee undenkbar. Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva etwa hat die Ölfunde vor der Küste als „Geschenk Gottes“ im Kampf gegen die Armut gepriesen.
Analysten erwarten gar, Brasilien werde von dem Unglück profitieren, weil durch den Stopp der Tiefseebohrungen in den USA Bohrinseln frei wurden, die in den vergangenen Jahren stets knapp waren.
Auch wenn die Gefahren der Tiefsee-Ölförderung offenbar sehr groß ist und etwa vor Nigeria durch lecke Leitungen tagtäglich große Mengen Öl ins Meer fließen. Die globale Abhängigkeit vom Öl aus der Tiefsee wächst. Die weltweite Rohöl-Produktion in einer Tiefe von mehr als 600 Metern unter der Meeresoberfläche (teilweise 3000 Meter und mehr) hat sich der Beratungsfirma IHS CERA zufolge vom Jahr 2000 bis 2009 auf 5 Mio. Barrel pro Tag (1 Barrel sind 159 Liter) mehr als verdreifacht. Bis 2015 könnte sie sich demnach noch einmal auf 10 Mio. Barrel verdoppeln.
Experten sagen für die Zukunft eine massive Verteuerung auf 200 Dollar pro Barrel und mehr voraus, weil es bald keine günstig und einfach abzubauenden Reserven mehr geben werde. Außerhalb des OPEC-Kartells sei das Fördermaximum bereits überschritten, aber auch einige OPEC-Staaten seien „wahrscheinlich“ schon darüber.
Echte Alternativen zum Öl sind trotz Solar- und Bioboom in einigen Ländern noch schwer auszumachen, zumal der Ölhunger durch das globale Bevölkerungswachstum und die boomenden neuen Wirtschaftsriesen wie Indien und China weiter steigen dürfte. Die Menge der bestätigten Ölreserven liegt laut Experten bei etwa 180 Mrd. Tonnen, was bei heutigem Verbrauch etwa zwischen 40 und 50 Jahre reicht. Dazu kommen weitere Ölmengen, die vermutet werden, aber noch nicht durch Bohrungen bestätigt sind. Als Beispiele gelten zum Teil die kanadischen Ölsande und eben Öl aus schwer zu erschließenden Tiefseeregionen.
Das meiste Öl wird in Saudi-Arabien und Russland gefördert. Die beiden Länder produzieren zusammen über ein Viertel allen Rohöls. Dahinter folgen die USA, der Iran und China. (va/APA/Reuters)



