Interview
Lauter Denker mit neuem Mut zu mehr Langsamkeit
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Harald Krassnitzer mag andere Reiseformen. Deshalb reizt ihn der Gedanke, einmal mit dem Schlauchboot von Wien bis ans Schwarze Meer zu fahren. Oder einen weiten Weg zu Fuß zu gehen. Momentan hat er für solche Träume allerdings zu wenig Zeit.Fotos: Thomas Böhm
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Harald Krassnitzer
Tatort: Noch bis zum 6. August steht Harald Krassnitzer als „Tatort“-Komissar Moritz Eisner in Hall und Umgebung vor der Kamera. „Lohn der Arbeit“ (von Felix Mitterer) ist der elfte Tatort, der in Tirol gedreht wird.
Privat. Achtung! Das ist nur ein Mustertext. Achtung! Das ist nur ein Mustertext. Achtung! Das ist nur ein Mustertext. Achtung! Das ist nur ein Mustertext. Achtung! Das ist nur ein Mustertext. Achtung! Mustertext.
Mustertext. trägt momentan wegen seiner verletzten Patellasehne hauptsächlich Lederhosen. Der Grund: „Ich trage Lederhosen, weil ich die einfach schneller über die Schiene bekomme und mir dann keiner helfen muss“.
Sie haben sich an der Patellasehne verletzt. Stimmt es, dass Ihnen das bei der Geburtstagsfeier von Alfred Gusenbauer passiert ist?
Krassnitzer: Ja, das stimmt. Ich bin dort als Marilyn Monroe aufgetreten. Der Auftritt war bereits vorbei, als ich schnell die Treppe hoch bin. Ich trug funkelnagelneue Lederschuhe und bin plötzlich weggerutscht. Da hat‘s dann ein paar Mal Klack am Fuß gemacht und schon war‘s passiert.
Sie sind zwar SPÖ-Mitglied, aber wie kommt es, dass Sie sich ausgerechnet als Marilyn Monroe für Gusi verkleiden?
Krassnitzer: Viele große Männer werden umschwirrt von schönen Frauen. Das bringt oft Probleme. Bei der Marilyn wissen wir, dass sie ein paar Wochen nach ihrem Auftritt zur Geburtstagsfeier von John F. Kennedy im Madison Square Garden auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen ist. Wegen des Auftritts hatte bereits die damalige Frau von Kennedy, Jacky, im Vorfeld einen unglaublichen Aufstand gemacht. Jacky wollte deshalb sogar nicht zur Feier kommen, aber das wäre ein großer Eklat gewesen. An dieser Geschichte sieht man, dass es mit schönen Frauen oft zu Komplikationen kommt. Um diese Gefahr für den Gusi sozusagen zu umgehen, hatte ich beschlossen, selbst die Krot‘ zu schlucken. Ich habe aber keinen klassischen Transvestit-Auftritt gemacht, sondern bin bei meiner klar definierten Rolle als Hetero geblieben. Die humorige Note ist auf alle Fälle nicht zu kurz gekommen.
Sind Sie auch sonst anfällig für Unfälle?
Krassnitzer: Nein, eigentlich nicht. Ich hatte einmal durch Fallschirmspringen eine Verletzung, die aber glimpflich ausging. Da konnte ich bereits drei Tage nach dem Unfall mit Gips wieder drehen. So gesehen hatte ich immer Glück. Aber ich muss sagen, dass ich diese Verletzung fast als Geschenk erachte.
Als Geschenk? Das ist ein eigenartiger Ansatz für eine schmerzende Verletzung.
Krassnitzer: Es macht vieles langsamer. Ich bin auf mich selbst gestellt und muss schauen, wie ich zurechtkomme. Es gibt zwar von allen Seiten massive Anträge, mir zu helfen, aber das empfinde ich als zusätzliche Entwürdigung. Diesen Zustand finde ich spannend, weil er mir ein anderes Bewusstsein gibt. In der Regel übersieht man ja, dass Gesundheit nicht etwas Selbstverständliches ist, man übersieht auch sein Fehlverhalten anderen Menschen gegenüber, die über längere Zeit – oft ein Leben lang – an Gebrechlichkeiten leiden. Meine Sache ist in ein paar Wochen vorbei. Als ich im AKH lag, war da ein 21-Jähriger, der vom Hals abwärts gelähmt bleiben wird. Stellen Sie sich vor, der kann nie wieder laufen, lieben, all jene Dinge tun, die selbstverständlich sind. Das ist wirklich schrecklich.
Wenn Sie jetzt die Langsamkeit entdecken, sind Sie sonst ein Ungeduldiger, der vieles schnell erledigt haben will?
Krassnitzer: Ja, schon. Wenn ich weiß, was ich will, dann will ich es haben. Da kann ich auch ungeduldig werden oder dominant.
In Ihren Rollen sind sie dafür oft der Gute und Nette. Passt Ihnen das?
Krassnitzer: Am Anfang war ich in meiner Eitelkeit gekränkt, weil es sich irgendwie komisch anhört. Mittlerweile finde ich es immer faszinierender, den Guten zu spielen, weil den Abgrund, den Wahnsinn, das Grauen seh‘ ich eh an jeder Ecke. In jedem Hollywood-Schinken wird mir ein Wahnsinniger als etwas Lustiges verkauft, in jedem Thriller hat der Mörder einen höheren Sympathiewert als jener, der den Fall löst. Wir schreiben dem Bösen mehr Erotik zu. Da denke ich mir: Mein Gott, was passiert denn da?
Ihnen ist wichtig, dass Drehbücher spannend sind. Außerdem sind Sie politisch und sozial sehr engagiert. Sind Ihnen da Rollen wie „Der Winzerkönig“ nicht zu banal?
Krassnitzer: Nein, der Winzerkönig ist für mich eine Form von archaischem Kasperltheater. Da sind Archetypen, die Guten, die Bösen. Diese Typen reagieren aufeinander wie in einer griechischen Tragödie. Ich finde es irre spannend, weil es am Ende jeder Folge einen kathartischen Effekt gibt. Der Mensch kriegt eine Erlösung, es gibt immer einen Ausweg.
In einem „Tatort“ lassen sich soziale und politische Themen gut transportieren. Glauben Sie, dass beim Zuschauer was hängen bleibt?
Krassnitzer: Nein, aber mich freut, dass es manchmal klare Reaktionen gibt – wie damals beim Telfer Tatort. Zwei Tage später sind die Leute trotzdem wieder in ihrer eigenen Erlebniswelt und der Film ist vergessen.
Sind diese eigenen Erlebniswelten das eigentliche Problem für eine gelungene Integration von Migranten?
Krassnitzer: Das Integrationsthema ist nicht über die Migranten zu lösen. So seltsam das klingt, aber ich glaube, dass man eigentlich für die Österreicher was tun müsste, damit diese weniger Angst haben. Ich mag den Begriff „multikulturell“ nicht, weil er verstaubt ist, aber wir sind längst eine mobile Gesellschaft. Das ist die Realität.
Als ich im Krankenhaus gelegen bin, kam eine polnische Ärztin zu mir, zwei Tage vorher habe ich bei einem Tatort-Dreh eine serbische Reinigungsfrau getroffen, die mir erzählt hat, dass sie in Belgrad Optikerin gelernt hat. Diese Menschen haben einen enormen Energieaufwand auf sich genommen, um in einem neuen Land Fuß zu fassen. Und wir haben nur Spielregeln des Feindbildes für sie parat. Allein der Fakt, dass du eine unendlich lange Flucht hinter dir hast, dann in Österreich von Polizisten in Schubhaft genommen wirst, find‘ ich grausig. Wir jagen kleine Migranten, aber wo es um Milliarden Euro geht, die wir Steuerzahler bezahlt haben, schauen wir weg. Da gilt die Unschuldsvermutung.
Wer versagt da?
Krassnitzer: Alle. Ich hab‘ zum Beispiel nie verstanden, warum die SPÖ bei dem Konjunkturpaket für die Banken nicht gesagt hat: Okay, wir übernehmen als Staat die Deckung, borgen euch 100 Milliarden, damit wir die Wirtschaft stützen, aber im Gegenzug nehmen wir eine Milliarde für ein neues Schulsystem oder die Unis her. Das wären große Themen. Stattdessen kopft man über eine Kommission zur Aufarbeitung von Asyl-Missbrauchsvorwürfen. Irgendwie alles daneben.





