Innsbruck
Drogen um 600.000 Euro verdealt
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Landespolizeikommandant Helmut Tomac, Ermittlungsleiter Martin Brunner und Stadtpolizeikommandant Franz Birkfellner (v.l.) freuten sich am Dienstag über einen weiteren großen Schlag gegen die Kriminalität in Tirol. Foto: Jan Hetfleisch
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Von Uwe Pfefferkorn
Innsbruck –Sie gingen einer ordentlichen Beschäftigung als Büroangestellte und selbständige Unternehmerin nach, sind ohne Vorstrafen und führten auch sonst ein „unauffälliges, normales Leben“. Die Rede ist von jenen zwei Innsbruckerinnen (18 und 24 Jahre), die im Jänner den Grundstein zu den später umfangreichen Ermittlungen zahlreicher Tiroler Polizeidienststellen rund um einen großen Tiroler Drogenring legten.
Die Polizei war auf zwei Marihuana und Kokain dealenden Frauen aufmerksam gemacht worden. Von diesen beiden Damen ausgehend, stießen die Ermittler nach und nach auf zahlreiche weitere Dealer zwischen Reutte und dem mittleren Inntal. Innsbrucks Stadtpolizeikommandant Franz Birkfellner sprach bei einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag von „harter polizeilicher Knochenarbeit“.
Stück für Stück trugen Beamte des Bundes- und Landeskriminalamts, einer Observationsgruppe, der Polizeiinspektionen Reutte, Silz, Innsbruck Kaiserjägerstraße und der Hundeinspektion unter der Federführung des Innsbrucker Kriminalreferats Informationen über Verdächtige zusammen. Zwischen 15. Mai und dem vergangenen Samstag klickten schließlich die Handschellen.
Insgesamt 16 Personen wurden mit Unterstützung des Einsatzkommandos Cobra festgenommen. Zwei davon im Bezirk Reutte, der Rest in den Bezirken Imst, Innsbruck-Land und Innsbruck.
Bei den Verdächtigen handelt es sich um Personen im Alter von 18 bis 45 Jahren, darunter sechs Frauen. Abgesehen von einem Mann aus der Dominikanischen Republik und zwei Deutschen stammen alle anderen aus Tirol. Alle Festgenommenen waren bis dato, wie die beiden Innsbruckerinnen, von denen die Ermittlungen ausgegangen waren, unbescholten.
Die Gruppe soll bereits seit rund drei Jahren mehrere Kilogramm Marihuana und Kokain aus Spanien und Holland nach Tirol geschleust haben. Die Kurierfahrten wurden dabei von zwei Hauptverdächtigen selbst, aber auch von bezahlten Kurieren durchgeführt. Die gaben das Suchtgift dann in großen Mengen an die 13 Mittäter weiter, die die Drogen in kleineren Mengen an Straßenverkäufer weitergaben. Insgesamt dürfte es sich um Suchtgift im Wert von 600,000 Euro handeln, das so geschmuggelt und verkauft wurde. Bei den Festnahmen fanden die Beamten noch vier Kilogramm Marihuana, 150 Gramm Kokain und rund 55.000 Euro, die vermutlich aus dem Verkauf der Drogen stammen.
Während eine Täterin auf freiem Fuß angezeigt wurde, sitzen die 15 anderen mutmaßlichen Dealer bereits in der Justizanstalt hinter Schloss und Riegel in U-Haft.
Im Zuge der Ermittlungen konnte die Polizei auch rund 100 Abnehmer des Drogenrings ausforschen. Auch diese 100 Tiroler, unter denen sich ebenso Jugendliche wie Personen über 50 Jahren befinden, werden bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. 20 Konsumenten wurden allein im Bezirk Reutte geschnappt.
Raub vereitelt, Vergewaltiger ausgeforscht
Doch die Ermittler konnten bei der Recherche rund um den Drogen-Ring weitere Straftaten klären bzw. vereiteln: So ging den Beamten auch ein 32-jähriger Argentinier ins Netz, der dabei war, einen bewaffneten Raubüberfall in Deutschland zu planen. „Der Argentinier hatte bereits versucht, für die geplante Tat zwei Faustfeuerwaffen zu besorgen“, schildert der Einsatzleiter beim Kriminalreferat der Stadt Innsbruck, Martin Brunner.
Wer oder was überfallen werden sollte, ist bis heute aber nicht bekannt. Auf die Spur des Argentiniers sind die Beamten über den Dominikaner gekommen. Der Argentinier konnte so noch vor dem geplanten Raubüberfall in Zusammenarbeit mit der deutschen Polizei verhaftet werden. Gegen den 32-Jährigen bestand zudem bereits ein Haftbefehl zur Verbüßung einer mehrjährigen Strafe wegen zuvor begangener bewaffneter Raubüberfälle.
Daneben erfuhren die Kriminalbeamten des Stadpolizeikommandos auch von einem 28-jährigen Innsbrucker, der einer Frau Liquid Ecstasy verabreicht und die willenlose Innsbruckerin anschließend sexuell missbraucht habe. Der 28-Jährige konnte ausgeforscht werden und wurde auf freiem Fuß angezeigt.
Für den Landespolizeikommandanten Helmut Tomac zeigt nicht zuletzt dieser Fall den Erfolg der Zusammenlegung der Wachkörper vor rund fünf Jahren. „Die Zusammenarbeit der Wachkörper ist zur Selbstverständlichkeit geworden und zudem barrierefrei möglich“, freute sich Tomac, dass nach der Klärung einer großen Einbruchserie in der Vorwoche nun ein weiterer großer Erfolg gegen die Kriminalität im Land gelungen sei.
Dass neben der berüchtigten Marokkaner-Szene eine weitere Gruppe bisher unbescholtener Tiroler mit Drogen im großen Stil gehandelt habe, zeige, dass Tirol in Sachen Drogen „kein heiliges Land ist“. Der Kontrolldruck und die Ermittlungen würden mit vollem Einsatz weitergehen, „soweit es die Ressourcen zulassen“, ergänzt der Landespolizeikommandant.
aktualisiert: Mi, 16.02.2011 10:22





