Loveparade
Deutschland trauert: „Die Loveparade wurde zum Totentanz“
Duisburg – Deutschland trägt heute bundesweit Trauer: die Flaggen des Landes wehen auf Halbmast – so will es Bundesminister Thomas de Maizière, so will es vermutlich eine große Mehrheit der Bürger unseres Nachbarlandes.
Der Schock über das Unglück, das vor einer Woche 21 Menschen in den Tod gerissen hat, sitzt noch immer tief. Was als fröhliche Feier begann, endete in einer Katastrophe und mündet heute in einer gigantischen Trauerfeier.
In der Salvatorkirche wurde einem ökumenischen Gottesdienst der Opfer gedacht. 550 Plätze waren dabei für Angehörige, Verletzt und Rettungskräfte reserviert. Unter den Trauergästen befand sich ein großer Teil der politischen Führung Deutschlands.
Trauer ohne den Oberbürgermeister
Angela Merkel, Bundespräsident Christian Wulff, Außenminister Guido Westerwelle, Bundestagspräsident Norbert Lammert, die Nordrhein-Westfählische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und weitere Würden- und Amtsträger waren angereist.
Nicht dabei allerdings der massiv unter Beschuss geratene Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland (55). Er wolle durch „seine Teilnahme nichts und niemanden provozieren“, ließ das Rathaus zu seiner Entscheidung verlautbaren. Sauerland allerdings weiß wohl, dass er zur Persona non grata in seiner eigenen Stadt geworden ist. Mehrere Strafanzeigen gegen ihn und massive Drohungen – darunter auch Morddrohungen – gegen ihn sprechen Bände.
Noch wehrt sich Sauerland gegen einen Rücktritt aus seinem Amt. Doch der Druck wuchs während der vergangenen Woche täglich.
Doch die Politik und die Aufarbeitung der Geschehnisse auf der Love Parade mussten heute auf morgen warten. Denn heute sollte Platz für Tränen und Trauer sein.
Eine weitere Katastrophe verhindern
In der Duisburger Innenstadt und im Stadion des MSV Duisburg wurden Großbild-Leinwände aufgestellt, um die Zeremonie zu übertragen.
Der Andrang zur Trauerfeier stellte die Behörden heute aber nicht vor die erwarteten Probleme. Vor den großen Leinwänden ließen sich nur wenige Hundert Menschen blicken. Duisburg gedenkt still, leise und vor allem privat und daheim.
Trauerfeierlichkeiten um 11 Uhr
Pastor Martin Winterberg eröffnete den Trauergottesdienst: „Wir gedenken der 21 Verstorbenen, die der Tod aus der Mitte ihres Lebens gerissen hat. Bitterkeit und Hoffnung, Zorn und Trost, Zweifel und Gewissheit – sie sind hier. Ohnmächtig schauen wir auf das Leid, das sichtbare und das unsichtbare. Die Trauer und die Traurigkeit verbinden uns über alle Länder und Religionen hinweg.“
Nikolaus Schneider leitete seine Predigt mit den Worten ein: „Die Loveparade wurde zum Totentanz. Trauer und Verzweiflung, Hilflosigkeit und Wut halten uns wie Ketten gefangen.“
Angeblich nur 150.000 Menschen bei der Loveparade
Bei der verhängnisvollen Loveparade in Duisburg am 24. Juli sollen nur 150.000 Menschen auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs gewesen sein. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Focus“. Anhand von Luftaufnahmen gehe die Polizei intern von dieser Zahl aus, hieß es in einer Vorausmeldung am Samstag.
Einige Stunden vor der Massenpanik, bei der 21 Menschen zu Tode kamen, hatte der Loveparade-Organisator Rainer Schaller zum Besucherandrang gesagt: „Da passen 1,6 Millionen Menschen drauf, die Zahl werden wir heute nicht erreichen, höchstens 1,4 Millionen.“ Die amtliche Genehmigung für den Veranstalter, die Berliner Lopavent GmbH, galt nach Informationen von Spiegel Online für maximal 250.000 Menschen.
Der „Focus“ berichtet, die Ermittler überprüften unter anderem die Frage, warum der Polizeiführer nicht bereits nach dem ersten Hilferuf des Veranstalters gegen 15.30 Uhr zur Gefahrenabwehr das Kommando auf dem Gelände übernommen habe. „Auf diese Weise hätte man womöglich frühzeitig die Eingangschleusen schließen und eine Massenpanik im Tunnel vor der Rampe zum Festgelände verhindern können“, heißt es in dem Bericht.
Der „Spiegel“ berichtete, der vom Veranstalter eingesetzte Crowd-Manager, der aus dem Container an der Hauptrampe den Publikumszugang steuern sollte, habe nach eigenen Angaben bereits vor 15.00 Uhr Hilfe bei der Polizei angefordert. Entgegen seinem Wunsch sei der Verbindungsbeamte neben ihm im Container aber nicht weisungsbefugt gewesen. Außerdem habe der Polizist kein Funkgerät gehabt. Dies habe dazu geführt, dass erst mit 30-minütiger Verzögerung ein leitender Beamter eingetroffen sei. Aus Polizeikreisen hieß es laut „Spiegel“, möglicherweise habe es eine solche Verspätung gegeben. Sie sei aber nicht ins Gewicht gefallen. (red, APA/apn/dpa)
aktualisiert: Mi, 16.02.2011 10:25



