Mode
Modewelt bekommt die Kurve
Sydney – Wallende Haare, üppiges Dekolleté und stramme Hüften – die Besucher des Fashion Festivals in Sydney staunten nicht schlecht, als eine wohlproportionierte Schönheit in Dessous über den Laufsteg flanierte. Die Ernüchterung kam allerdings etwas später in Form einer überschlanken Gazelle ohne ein Gramm Fett auf den Rippen.
Die Modemacher von heute schwanken mit ihren Meinungen so wie manche Models mit ihrem Gewicht. Die einen schwören auf Kurvenstars, die anderen setzen nach wie vor auf Hungerhaken. Auch Modezar Karl Lagerfeld ist einer, der sich nicht entscheiden kann. Vor Kurzem lästerte er noch über das XL-Model Crystal Renn. Jetzt erscheint die dralle Brünette auf der neuen Chanel-Anzeige – allerdings nur im Porträt. Lagerfelds Entscheidung scheint einen guten wirtschaftlichen Grund zu haben: Der Modeschöpfer bietet seine Kreationen jetzt plötzlich bis Übergröße 50 an.
Die Debatte, wie dünn oder mollig Models zu sein haben, ist eine endlose und erreichte ihren Höhepunkt mit dem Tod des brasilianischen Topmodels Ana Carolina Reston im November 2006. Die 21-Jährige verstarb an ihrer Magersucht. Nur ein Jahr später erlagen zwei untergewichtige Modelschwestern aus Uruguay einem Herzinfarkt.
Und auch vor Kurzem traf es wieder eine Laufstegschönheit. Dessousmodel Hayley Crook starb mit nur 23 Jahren – ebenfalls an plötzlichem Herztod. Die Modewelt scheint nach wie vor eine brutale zu sein. Aber dennoch bemerkt man erste Schritte in die richtige, kurvige Richtung. Und wer weiß: Vielleicht traut sich Karl das nächste Mal sogar, Crystal in ihrer ganzen Schönheit zu zeigen. (nic)



