16.03.2010, 13:17  Aktualisiert: 23.08.2010, 11:10 

International

Literweise Blut vor Regierungssitz in Bangkok

Die Demonstranten in der thailändischen Hauptstadt fordern den Rücktritt der Regierung. Mehr als 40.000 Polizisten sind im Einsatz.
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Bangkok – Tausende Regierungsgegner haben am Dienstag in Bangkok in einer umstrittenen Symbol-Aktion literweise Blut am Regierungssitz verschüttet. Die Geste soll zeigen, dass sie ihr Blut für die Demokratie geben. Die Anhänger des 2006 gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra verlangen den Rücktritt von Regierungschef Abhisit Vejjajiva und Neuwahlen. Der lehnt die Forderung ab.

Die Anführer der Demonstranten schütteten rund 50 Container mit insgesamt 275 Litern vor sechs Eingängen des Regierungssitzes aus. „Wenn Abhisit zur Arbeit kommt, muss er über da Blut des Volkes fahren“, sagte Anführer Nattawut Saikuer. Das Blut hatten die Demonstranten vorher in einer riesigen Spendenaktion in Zelten abgegeben.

Abhisit hatte sein Büro allerdings an einen Armeestützpunkt verlegt, um sich von den Demonstranten nicht einzingeln zu lassen. Der Regierungssitz war schwer bewacht. Die Sicherheitskräfte griffen aber nicht ein. „Wenn es ein friedlicher Protest ist, muss man es zulassen“, sagte Regierungssprecher Panitan Wattanayagorn. In der Stadt sind mehr als 40.000 Polizisten und Soldaten im Einsatz.

Seit dem frühen Morgen folgten tausende Demonstranten dem Aufruf zur Blutabgabe. In ihren für die Opposition typischen roten Hemden standen sie in hunderte Meter langen Schlangen. Krankenschwestern setzten die Nadeln, und spritzen das Blut anschließend in große Container. 10.000 Menschen sollen zur Ader gelassen worden sein. Krankenhäuser kritisierten die Aktion. Soviel Blut hätte Leben retten können, meinten Ärzte.

Die Oppositionsbewegung „Vereinigte Front für Demokratie und gegen Diktatur“ (UDD) hatte am Wochenende 100.000 Thaksin-Anhänger nach Bangkok gebracht. Die Rothemden zögen erst ab, wenn Neuwahlen ausgerufen seien, drohte sie. Allerdings lichteten sich die Reihen der Demonstranten nach Meinung von Augenzeugen am Dienstag merklich. Unter den Oppositionellen machte sich Ermüdung breit. Sie seien frustriert, dass die Regierung ihrer Forderung nach Neuwahlen nicht nachgebe, sagten einige der wegen ihres Erkennungszeichen als Rot-Hemden bezeichneten Demonstranten. Anderen machte die sengende Hitze in Bangkok schwer zu schaffen.

Thaksin, der die UDD mit finanziert, versucht die Stimmung unter den Demonstranten immer wieder mit Durchhalteparolen per Videobotschaft anzuheizen. Er flüchtete 2008 vor einer Gefängnisstrafe wegen Amtsmissbrauchs ins Exil und soll sich in  Europa aufhalten. Die Anhänger Thaksins stammen vor allem aus den ärmeren, ländlichen Gebieten Thailands.

An den Finanzmärkten wurde der friedlichen Ablauf der Proteste mit Erleichterung aufgenommen. Der führende Aktienindex ging am Dienstag mit einem Plus von mehr als zwei Prozent aus dem Handel. „Wenn wir diese Woche hinter uns haben, wird wohl wieder Normalität einkehren“, sagte die Bangkoker Börsen-Präsidentin Patareeya Benjapolchai.

Der Regierungssitz war vor zwei Jahren schon einmal Zentrum von Protesten. Damals waren allerdings Gegner von Thaksin auf der Straße. Sie hielten das Gelände wochenlang besetzt und stürmten schließlich den Flughafen von Bangkok. Die Thaksin-freundliche Regierung stolperte schließlich über eine Verurteilung wegen Wahlbetrugs. Abhisit kam durch ein Votum im Parlament an die Macht, nachdem ein Koalitionspartner der Regierung den Rücken kehrte.

Im März vorigen Jahres hatte die Bewegung der Thaksin-Anhänger den Regierungssitz der zweitgrößten Volkswirtschaft Südostasiens blockiert und im April eine Konferenz der ASEAN-Staaten in Pattaya gestürmt. In den Tagen darauf war es zu heftigen Straßenschlachten in Bangkok gekommen, bei denen zwei Menschen starben. Die Rot-Hemden werfen der Regierung vor, nach dem Sturz Thaksins unrechtmäßig an die Macht gekommen zu sein. Dagegen unterstützen die sogenannten Gelb-Hemden, denen vor allem die städtischen Eliten und Anhänger des Königshauses angehören, den Kurs der Regierung. (APA/dpa/Reuters)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Di, 16.03.2010  13:17
aktualisiert: Mo, 23.08.2010  11:10
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