Volleyball
Als Guter in den sportlichen Ruhestand
Tom Schroffenegger
Größten Erfolge: 15 Länderspiele Nationalmannschaft Österreich, fünf WM-Teilnahmen und dreimal österreichischer Beachvolleyballmeister, 9. Platz World-Tour in Klagenfurt.
Von Patrick Felderer
Innsbruck – Ganz lässig und locker sitzt Thomas Schroffenegger da. Nach 28 Jahren im Profibereich ist nun endgültig Schluss für den (jetzt ehemaligen) Spieltrainer des VC Mils. „Im Sommer habe ich lange nachgedacht. Was soll ich machen? Was ist das Richtige für mich? Nach meiner Entscheidung aufzuhören, ist es ein angenehmes Gefühl. Eigentlich bin ich jetzt ganz stressfrei und bis jetzt fehlt mir überhaupt nichts. Aber sag niemals nie.“
Der 38-jährige Tiroler Hallen- und Beachprofi wird in Zukunft seine Erfahrungen und Anweisungen nur noch von der Seitenlinie aus als Trainer geben. Vorige Saison stand der 15-malige Ex-Nationalspieler immer noch als Spielertrainer in der Halle auf dem Feld; jetzt wird es sicher nicht leicht sein, einen Mann mit seiner Klasse zu ersetzen. „Ich habe letzte Saison noch super gespielt. Ich war nach meinen ganzen Verletzungen (zwei Meniskusoperationen und einen Bandscheibenvorfall, Anm.) noch topfit.“ Einen kleinen Moment herrscht Ruhe, Schroffenegger blickt starr in die Luft – und fängt sich dann doch wieder. „Es war der richtige Zeitpunkt, den Jungen das Ruder zu überlassen.“ Es hat den Anschein, als würde er in diesem Augenblick vor allem zu sich selbst sprechen. Sich selbst überzeugen wollen: „Ich wollte in einem Moment abtreten, wo ich noch gute Leistungen abgeliefert habe. Ich wollte als Guter dastehen. Nicht dass mein Zug schon abgefahren ist und alle Leute gesagt hätten: ‚Wann hört der endlich auf?‘“
Auf die Frage nach einem Comeback à la Thomas Muster oder Michael Schumacher kommt ein relaxtes und sicheres Nein. „Was ich erreicht habe in meiner Karriere (274 Beachvolleyballturniere, davon 51 Siege, Anm.), werde ich sicher nie mehr schaffen. Ich habe die Zeit genossen und sie hat mich auch für meinen weiteren Lebensweg weitergebracht.“ Ganz kurz fährt die Hand zum Kopf, Schroffenegger atmet einmal tief durch: „Aber man muss auch der Realität ins Auge sehen. Nichtsdestotrotz denke ich gerne an diese Zeit zurück. Vor 14.000 Zuschauern in Klagenfurt bei der World-Tour 2003 zu beachen, war schon ein Hammererlebnis. Sicher das größte Highlight meiner Karriere!“
Aber jetzt ist diese Zeit für den Ex-Profi, der neben seiner Laufbahn Sportpsycholgie studierte, vorbei. Als Trainer in Mils und vor allem als Mental-Coach für die österreichische Nationalmannschaft im Volleyball bleibt er dem Sport erhalten. Obmann Wolfgang Maurer, der Thomas in der Jugend trainierte, ist auf jeden Fall begeistert, ihn im Verein zu behalten: „Für die erste Mannschaft haben wir ein Etat von 20.000 Euro. Thomas macht das sicher nicht des Geldes wegen.“ „Schroffi“ schmunzelt bei solchen Worten: „Ich will probieren, hier sportlich was zu erreichen. Meine Mannschaft hat sicher das Potenzial, ganz vorne mitzumischen und um den Ausstieg in die erste Bundesliga zu spielen.“ Inwieweit der Altmeister dem Team dabei auf dem Parkett abgeht, wird die Zeit zeigen.




