Unterhaus

Mi, 05.05.2010 | 08:59 Uhr

Jenseits von Afrika im Tor einer anderen Welt

Armut, Demut, Hoffnung – Begriffe, die Union-Goalie und Asylwerber Joshua Ndybisi (20) verinnerlicht hat. Der Nigerianer vermisst seine Mutter.

Von Alex Gruber

Innsbruck – Das doppelte Cut um sein rechtes Auge hat sich Joshua Edwin Ndybisi als Reichenau/Union-Goalie beim 1:1-Remis in Imst zugezogen. Im unerschrockenen Kampf Mann gegen Mann. So wie man ihn in den Strafräumen der UPC Tirol Liga eben kennt. Dieser Schmerz wird vergehen. Und er ist in Wirklichkeit rein gar nichts, wenn man einen Blick aufs Joshuas Lebensgeschichte wirft. Ndybisi kam als 14-jähriger Flüchtling übers Meer, weil in seiner Heimat Nigeria ein Glaubenskrieg zwischen Christen und Moslems tobte. Ein Konflikt, dem sich vor allem sein Vater Eze als evangelischer Priester kaum entziehen konnte. Und so saß Klein Josh im Sommer 2004 plötzlich drei Wochen lang in einem nasskalten Schiffscontainer, ohne zu wissen, wohin ihn die Reise führt. „Das war wirklich hart. Wenn du kein Glück hast, liegst du tot im Meer. Aber das war damals immer noch besser, als in Nigeria zu bleiben“, weiß er es heute zu schätzen, gesund in Europa gelandet zu sein. Wenngleich auch in seinem Asylverfahren wenig weitergeht und er vom SOS Kinderdorf in Hall nach seiner Volljährigkeit in den Igler Pembaur­hof übersiedeln musste, um seit knapp zwei Jahren in der Innsbrucker Innenstadt dank Union-Zampano Herbert Lener endlich seine eigenen vier Wände gefunden zu haben.

Da nervt ihn tagtäglich der Blick aus seinem Zimmer, wenn er sieht, wie die Menschen zur Arbeit ziehen. „Das tut mir weh. Denn ich möchte auch mein eigenes Geld verdienen“, sehnt er ein positives Ende im Kampf um seine dauerhafte Aufenthalts- und somit auch Arbeitsgenehmigung herbei. Und wenn der 20-Jährige einen Blick auf den Fernsehschirm wirft und auf CNN sieht, wie in Nigeria wieder die Häuser brennen und die Armen noch ärmer werden, wird sein Blick noch trauriger und schwerer. Da flackern dann auch wieder die Gedanken an Mutter Rose auf, die er seit sechs Jahren nicht gesehen hat.

„Mein größter Wunsch ist es, meine Mama zu besuchen und danach wieder nach Österreich zurückzukommen“, beginnen seine Augen zu leuchten. Das Leben hat ihn schon in jungen Jahren Hoffnung gelehrt. Und die Fähigkeit, in aller Demut zu teilen. Denn einen Spruch seines mittlerweile verstorbenen Vaters will der Afrikaner stets beherzigen: „Mein Vater hat zu mir gesagt: Wenn du zwei Kleider hast und dein Kollege keines, dann musst du ihm eines geben.“ So wurde in aller Freundschaft einst auch ein Koffer (von seinem Haller Mannschaftskollegen Rene Frischmann) unter Freunden geteilt. Weit weg von der Arbeitslosigkeit und Kriminalität, die seine Heimat beherrscht: „Afrika ist schlecht.“ Eine Aussage, die nicht gerade nach einem Versprechen für die nahende WM in Südafrika („Ein gefährliches Land“) klingt. Und trotzdem lebt in Joshua Edwin Ndybisi der Glaube, dass das Mega-Event nicht nur dem steinreichen Fußballweltverband FIFA, sondern auch dem Volk etwas Bleibendes bringen kann. „Die WM kann den Leuten mit dem Geschäft etwas helfen. Vielleicht bleibt etwas Hilfe für die Armen übrig, wird eine neue Fußballschuhe gebaut oder ein neues Krankenhaus“, denkt er schon als junger Erwachsener in großen sozialen Dimensionen. „Wenn ich jemals etwas Geld haben sollte, will ich den Armen helfen. Denn Geld ist gar nichts. Geld kommt und Geld ist wieder weg.“

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