Eishockey
Ein Nordlicht, das in Ruhe leuchtet
Innsbruck – Es ist nicht schwer festzustellen, wer und was das Wichtigste im Leben von Jarno Mensonen ist. Nach dem Training widmet der HCI-Coach seine Zeit der Familie, fühlt sich in der Mittagspause in der Innsbrucker Altstadt pudelwohl, wenn Gattin Minna, die beiden Stammhalter Jassu (3 Jahre) und Mico (7 Monate) den Mittagstisch ebenso bereichern wie die Schwiegereltern Lenna und Eino. Alle Finnen waren vier Tage vor dem ersten Halbfinale gegen die VEU Feldkirch unter einem Dach. „Die Familie ist das Wichtigste in meinem Leben. Zuhause muss alles in Ordnung sein“, lässt der 38-Jährige keine Zweifel aufkommen, auf welcher Basis ein gesundes Berufsleben basiert. Dem (Vor-)Urteil vom unterkühlten Nordlicht weicht Mensonen nicht aus („Wir Finnen sind ruhig, nicht so laut“), ehe die Schwiegermutter das Wort ergreift: „Jarno ist ein internationaler Typ.“ Und zuhause sei man laut Minna eben gerade da, wo Jarno arbeitet. Hauptsache beisammen. In Innsbruck schlug Mensonen auch deswegen die Stunde als Chefcoach, weil sich der HCI nach finanziellen Turbulenzen zum Rückzug in Liga zwei entschloss. Um kleinere Brötchen zu backen. Um wieder mehr Tiroler zu integrieren.
Um etwas Neues aufzubauen, dass bei einer etwaigen Rückkehr in die Bundesliga auch ein stabileres Fundament besitzen würde. Ein Neustart mit Mensonen, den der Cheftrainer-Rookie mit Platz eins im Grunddurchgang mit Bravour gemeistert hat. Bevor die Play-offs warten – mit den Haien als erklärten Favoriten, der das beste Umfeld und die professionellsten Bedingungen genießt. Die hohe Schule des (Eishockey-)Lebens dreht sich beim Genuss eines feines Carpaccio für den HCI-Trainer aber bei Weitem nicht nur um eine Hartgummischeibe.
In Ihren Kindern scheint viel Leben zu stecken. Wann haben Sie sich zur Vaterschaft entschlossen?
Mensonen: Die Familie ist das Wichtigste! Für die Elternrolle ist man in jungen Jahren ja nie wirklich bereit, aber da wächst man hinein. Und es macht unheimlich viel Spaß. Jassu spricht 24 Stunden nur über Eishockey.
Wie lenken Sie sich neben Ihrem beruflichen Alltag und dem regen Familien-leben ab?
Mensonen (lacht): Ich entspanne mich, wenn die Kinder schlafen.
Minna Mensonen:
Ihr größter Traum?
Mensonen: Meine Kinder aufwachsen zu sehen. Und wenn wir vom Hockey sprechen, dann will ich jetzt gute Play-offs sehen.
Wie viel haben Sie als Cotrainer in Innsbruck von Ihren Vorgesetzten Pat Cortina, Ron Kennedy und Greg Holst gelernt?
Mensonen: Man lernt jeden Tag. Von seinen Spielern, von neuen Situationen. Ich hatte in Finnland eine gute Schule, bis ich nach Innsbruck kam: Da war die Zeit mit Kennedy gut. Er hat mich viel machen lassen, war leider sehr krank.
Gibt‘s für Sie ein goldenes Prinzip?
Mensonen: Meine erste Aufgabe hier in Innsbruck als Cheftrainer war es, eine Identität zu schaffen. Eine Leidenschaft, die man vorlebt. Das hat in den Jahren zuvor gefehlt. Da helfen auch viele NHL-Spieler nicht weiter.
Und Ihre Philosophie?
Mensonen: Hockey muss aktiv und offensiv sein. Und vom Trainer gut vorbereitet. Das ist kein Lotto, so frei nach dem Motto: „Hoffentlich ist heute ein guter Tag.“ So läuft das nicht. Eine Übung ist schwarz oder weiß, es gibt kein Grau und es gilt für alle das Gleiche (Anm.: Mensonen spielt auf exakte Laufwege an).
Wo bleibt der Spaß?
Mensonen: Ein guter Trainer findet den Zeitpunkt, wann er die Jungs von der Leine lassen kann.
Was leben Sie vor?
Mensonen: Ich vertraue auf das Prinzip Arbeit. Fehler sind kein Problem, man muss nur hungrig bleiben. Ein Tiroler Pass darf nicht reichen, um Eiszeiten zu bekommen. Man muss sich im Leben alles verdienen. Patti Mössmer würde ich z.B. gegen keinen anderen Spieler tauschen. Er gibt uns ein Gesicht.
Minna: Jarno hat eine hohe Arbeitsmoral.
Gar keine Aufregung vor den Play-offs?
Mensonen: Ich habe einmal mit einem finnischen Boxer gesprochen, der vor dem Kampf sogar den Tod fürchtet. Das macht ihn aber auch aufmerksam und aggressiv. Ich gönne mir vor jedem Spiel eine ruhige Minute, wenn die Jungs die Kabine verlassen.
Das Gespräch führte Alex Gruber




