Innsbruck
Von Freunden, Aufträgen und olympischer Zeitnot
Von Peter Nindler
Innsbruck – Obwohl die Winterjugendspiele erst 2012 in Innsbruck stattfinden, haben sie schon eine bewegte Geschichte hinter sich. Zuletzt musste das 2008 veranschlagte Budget um knapp neun Millionen Euro von 15 auf 23,7 Millionen Euro hinaufgeschraubt werden. Seit wenigen Tagen liegen erstmals Zahlen über die Bewerbungskosten vor. Der grüne Abgeordnete Gebi Mair wollte nämlich in einer Landtagsanfrage von Sportreferent LHStv. Hannes Gschwentner wissen, welche Personen bzw. Firmen Aufträge für die Bewerbung erhielten. Der Sportreferent ist auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Jugendspiele (YOG 2012).
Hinter den Bewerbungskosten von 364.601 Euro steckt, wie sich jetzt herausstellt, eine höchst interessante Sportgeschichte mit vielen persönlichen Verflechtungen. Und sie beginnt bereits im Jahr 2005. Damals war Markus Redl Organisationschef der Winteruniversiade in Innsbruck und Martin Schnitzer sein Assistent.
Schnitzer wurde später Geschäftsstellenleiter der EURO 08 in der Tiroler Landeshauptstadt, Redl fungierte nach seiner Universiade-Zeit kurzzeitig als Organisationsreferent der Bürgermeisterfraktion für Innsbruck. Seit 2007 ist er Unternehmensberater bei der ICG Integrated Consulting Group GmbH bzw. ICG Infora Consulting Group GmbH. Dort arbeitete eben auch sein ehemaliger Assistent Martin Schnitzer von August 2006 bis März 2008 als freier Konsulent.
Parallel zur Fußballeuropameisterschaft musste 2008 dann alles ganz schnell gehen. Die Olympischen Jugendspiele 2012 lockten. Am 28. Februar 2008 beschloss die Tiroler Landesregierung die Bewerbung, am 6. Juni wird von Stadt, Land und ÖOC die „Innsbruck-Tirol Olympische Spiele GmbH“ eingetragen und EURO-Geschäftsstellenleiter Martin Schnitzer auch zum Olympiageschäftsführer bestellt. Für das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) tritt ein alter Bekannter auf: Markus Redl. Er hat seit jeher ausgezeichnete Verbindungen zum ÖOC, war er doch von 1993 bis 1996 Assistent der Geschäftsführung. Doch nicht nur das:
Die ICG, bei der Redl tätig ist, erhielt gleichzeitig den lukrativen Generalauftrag für die Projektabwickelung der YOG 2012. In der Abrechnung scheinen dafür 183.797 Euro auf. Damit ist die Geschichte aber noch nicht zu Ende: Denn nach der erfolgreichen Bewerbung wurde der Geschäftsführerposten für die YOG 2012 offiziell ausgeschrieben. Trotz enger personeller Verflechtungen war wieder Redl bzw. die ICG federführend dafür zuständig und wenig überraschend bestellte die Olympiagesellschaft Martin Schnitzer im Februar 2009 erneut zum Geschäftsführer.
Nach den Turbulenzen um das nachträgliche Finanzloch bei den Fanzonen im Rahmen der EURO 08 wurde der Vertrag mit Schnitzer jedoch im vorigen Sommer aufgelöst, Peter Bayer leitet seither die Geschicke der Jugendspiele. Nur nebenbei sei erwähnt, dass Bayers Firma „Via 3 Communications“ für die Olympiabewerbung einen Auftrag von 3762 Euro erhielt. Bayer gehörte 2008 aber noch nicht zum YOG-Team.






