Tiroler Waffeln munden sogar den Scheichs

Der Südtiroler Waffelhersteller Loacker vergrößerte das Werk im Osttiroler Heinfels um 30 Mio. Euro, 60 Prozent der Produktion werden exportiert.

Von Beate Troger

Heinfels – Die Waffeleisen und Schokoladecreme­mischungen sind das Revier von Armin Loacker, Senior-Chef des gleichnamigen Südtiroler Süßwarenherstellers. Den Chefsessel als Vorsitzender des Verwaltungsrates hat mittlerweile sein Neffe Ulrich Zuenelli übernommen, neue Kreationen verkostet Loacker aber persönlich, und auch an den Fließbändern checkt er gelegentlich selbst, dass alles rund läuft. „Das gute Wasser, die gute Luft und die hervorragenden Mitarbeiter“ seien ausschlaggebend gewesen, dass er vor 13 Jahren einen Teil der Produktion nach Osttirol anstatt nach Osteuropa verlagert hatte, erklärt Armin Loacker im TT-Gespräch. „Für den Waffelteig darf das Wasser nicht zu kalkhaltig sein“, verrät er. Zudem werbe der 470-Mitarbeiter-Betrieb seit Jahren mit den Tiroler Bergen, „jeder andere Produktionsstandort wäre Verrat an der Waffel“, sagt Loacker.

Der heute 70-Jährige zeichnete für die Industrialisierung und Internationalisierung der Bozner Konditorei verantwortlich. Als er 1974 die Waffelherstellung auf ein Fließband am Ritten hoch über Bozen verlegte, wurde er belächelt, „die mich damals einen Spinner nannten, sind mir heute neidisch“, reflektiert er.

Mittlerweile läuft im Werk in Heinfels bei Sillian die Hälfte der Loacker-Jahresproduktion von 21.900 Tonnen vom Band. In den vergangenen zwei Jahren habe man 30 Mio. Euro in Osttirol investiert, die Hallengröße verdoppelt und neue Öfen und Produktionslinien für die klassischen Waffeln errichtet. Seit gestern lockt dort neben dem Shop und dem Moccaria-Caféhaus auch eine Erlebniswelt, in der Besucher mit allen Sinnen in die Waffelwelt eintauchen können.

Noch heuer wird auch die Kapazität im Stammwerk im Südtiroler Unterinn am Ritten erweitert, wie Loacker ankündigt. Dafür rollen noch einmal 25 Mio. Euro. „Dann schaffen wir es hoffentlich, die hohe Nachfrage zu decken“, schmunzelt Ulrich Zuenelli, „das war für uns eine Krise.“

Die Wirtschaftskrise habe Loacker nicht getroffen, im Vorjahr wuchs das Unternehmen um 9 % auf 162 Mio. Euro und legte auch heuer im ersten Halbjahr um 13 % zu. Die Lohnfertigung für andere Hersteller oder Handelsmarken hat Loacker schon vor Jahren eingestellt, denn die eigene Marke ist in der ganzen Welt gefragt. Neben dem Heimmarkt Italien, wo sich Loacker derzeit Kopf an Kopf mit dem Barilla-Konzern um die Marktführerschaft am Waffelsegment matcht, sind die Süßigkeiten vor allem im Nahen Osten begehrt. „Unser wichtigster Auslandsmarkt ist Saudi-Arabien, gefolgt von Libyen, den Arabischen Emiraten und Israel“, zählt Zuenelli auf. In Österreich ist Loacker mit einem Marktanteil von einem Prozent nur ein kleiner Player. Innsbruck mit seinen vielen italienischen Gästen könnte aber als künftiger Standort einer Loacker-Moccaria eine Rolle spielen.

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