17.08.2010

Innsbruck

Bären und Wölfe bringen Unruhe in die Almwirtschaft

Das vermehrte Auftreten von Beutegreifern weckt den Wunsch nach Schutzmaßnahmen. Steixner schlägt nationalen Aktionsplan vor.

Von Mario Zenhäusern

Innsbruck, Thiersee – Das Auftauchen eines Wolfes im bayerisch-tirolerischen Grenzgebiet von Thiersee hat nicht nur die Almbauern der Region aufgeschreckt. Dem aus dem schweizerischen Kanton Graubünden über Vorarlberg und Bayern nach Tirol eingewanderten Tier werden inzwischen sechs Schafrisse angerechnet. Für den betroffenen Bauern Grund genug, die Sommerfrische seiner Schafherde auf der Alm oberhalb von Thiersee vorzeitig zu beenden.

Im Südtiroler Ultental ist die Stimmung bereits angespannt. Beinahe täglich finden Bauern hier gerissene Schafe. Übeltäter sind nicht Wölfe, sondern Bären, die aus dem Trentino zugewandert sind. Mittlerweile nimmt sich LH Luis Durnwalder der Sache an: „Die Problembären müssen eingefangen und aus dem Gebiet gebracht werden“, wird Durnwalder in den Dolomiten zitiert, „es kann nicht im Interesse des Umweltschutzes sein, dass der Bauer von den Almen zurückweichen muss.“

Das Gebot der Stunde sei, dass es sofort zu einem Ansiedlungsstopp kommen müsse. Durnwalder: „Wir haben jetzt schon genug Problembären. Wir müssen jetzt einmal lernen, mit der bestehenden Population ein Auskommen zu finden.“

In Tirol sollen, wenn es nach LHStv. Toni Steixner geht, derartige Probleme erst gar nicht entstehen. Er ersucht in einem Brief an Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich um die national gesteuerte Entwicklung von Präventionsmaßnahmen zum Schutz von Weidevieh vor großen Beutegreifern.

Steixner will sich am Vorbild Schweiz orientieren. Die Eidgenossen hätten in den vergangenen zehn Jahren mehr als fünf Millionen Euro für die Entwicklung von Herdenschutzmaßnahmen bereitgestellt. Mittlerweile seien erste Erfolge zu verzeichnen, schreibt Steixner, „wenngleich die Frage, ob die Präsenz von Wölfen und die Haltung von Schafen auf alpinen Weiden auf Dauer vertretbar sind, auch in der Schweiz noch nicht geklärt ist“.

Steixner schlägt vor, das Lehr- und Forschungszentrum Raumberg-Gumpenstein in der Steiermark zu einer zentralen Stelle in Sachen Schutz von Weidevieh zu machen. Unter dieser „gesamt­österreichischen Lösung“ stellt er sich die Schaffung einer kompetenten Stelle als Ansprechpartner vor, welche die Umsetzbarkeit verschiedener, im Ausland bewährter Herdenschutzmaßnahmen prüft und eigene, standortangepasste Maßnahmen entwickelt. Steixner ist fest davon überzeugt, „dass Wolf und Luchs in Zukunft unsere ständigen Begleiter sein werden“. Darauf müsse man sich entsprechend vorbereiten.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 17.08.2010
Vorteilszone
Partyfotos
Gewinnspiele
Parship
radio.at
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
"HEISZE TASTEN"
Panoramablick
AGB Kontakt Impressum