Kitzbühel
Durch Kontoleerung gerät Hotelprojekt ins Wanken
Von Katharina Zierl
Kössen – Als eine „saftige Überraschung“ bezeichnet der Kössener Bürgermeister Stefan Mühlberger den Kontoauszug, den er zuletzt in Händen hielt. Es handelt sich dabei laut seinen Angaben um ein Treuhandkonto, auf dem der Bauwerber für das geplante 250-Betten-Hotel 1,2 Millionen Euro für den Grundstückskauf deponieren sollte, bis alle Genehmigungen vorliegen. „Wir sind als Gemeinde Besitzer des Grundstücks. Dass das Konto jetzt einfach von der Bauwerber-Seite geleert wurde, geht so nicht“, sagt Mühlberger.
Es habe zwar Gespräche über diverse Möglichkeiten, das Geld anderwärtig „zu parken“, gegeben, „schriftlich vereinbart wurde aber nichts“, erklärt der Bürgermeister. „Ich habe immer gesagt, dass andere Methoden nur dann möglich sind, wenn ein dementsprechender Nachsatz im Kaufvertrag deponiert wird“, erklärt Mühlberger. Davon könne aber keine Rede sein. Diese Vorgangsweise sei „absout nicht üblich“, ärgert sich der Ortschef.
Die Gemeinde habe sich „durchaus gesprächsbereit“ gezeigt. „In dieser Sache aber eigenständig zu handeln, ohne dass es eine schriftliche Vereinbarung oder einen Gemeinderatsbeschluss gibt, ist unverständlich“, betont Mühlberger. Anfang nächster Woche würden sich die Parteien samt Rechtsvertretung treffen, um „Klartext zu reden“, betont der Ortschef. „Wir haben als Gemeinde durch den Kaufvertrag gewisse Rechte, die ich als Bürgermeister wahren muss“, erklärt Mühlberger.
Dass die Kontoleerung sich nicht gerade positiv auf das Hotelprojekt auswirkt, stehe außer Frage: „Ob der Vertrag mit dem Bauwerber jetzt aufgelöst wird oder nicht, wird sich noch zeigen“, sagt der Bürgermeister.
Zu Mühlbergers Vorwürfen nicht äußern will sich Helmut Naschberger, der Rechtsanwalt des Bauwerbers. Nur so viel: „Ganz so, wie es Mühlberger darstellt, ist es mit Sicherheit nicht.“ Alles Weitere müsse man abwarten, fügt Naschberger hinzu.
Das leere Treuhandkonto ist jedoch bei Weitem nicht das einzige Hindernis, das der Realisierung des geplanten Viersternhotels im Weg steht. Die betroffenen Anrainer kämpfen bereits seit Jahren gegen das Projekt. Jetzt legten sie Berufung ein. „Der Baubescheid des Bürgermeisters ist aus mehreren Gründen rechtswidrig“, erklärt Simon Brüggl, der Anwalt der Anrainer. Der Gemeindevorstand müsse über die Berufung entscheiden, dann sehe man weiter, sagt Brüggl.
Ob das Hotel trotz der vielen Turbulenzen wirklich gebaut wird, ist auch für Mühlberger inzwischen zweifelhaft: „Ich würde sagen, die Chancen liegen bei 50:50.“






