10.09.2010

Kufstein

Tirol Milch mit Bergland einig, Politik macht Weg frei

Der Vertrag liegt auf dem Tisch, die Landesregierung will der Fusion keine Steine mehr in den Weg legen. Wie die Bauern abstimmen, wird spannend.

Von Nina Werlberger

Wörgl, Wels – Die Fusion der Tirol Milch mit der Berglandmilch können jetzt noch die Bauern aufhalten: Die beiden Unternehmen haben alle Details des Vertrags geklärt, über den die Tiroler Bauern Ende September abstimmen werden. Zugleich gibt die Landesregierung ihren Widerstand gegen eine Fusion auf und will den Weg für eine tirolerisch-oberösterreichische Milchehe freimachen.

Der Pakt sieht so aus: Wenn die Tiroler Bauern zustimmen, bekommt die Tirol Milch 17 % der Anteile an Österreichs größter Molkerei und wird die zweitgrößte von neun Bergland-Genossenschaften. Weiters bekäme die Tirol Milch einen Vorstand bei Bergland, der gleichzeitig auch Obmann-Stellvertreter für die laufende Periode wäre. Auch mehrere Aufsichtsräte würden aus Tirol kommen. Das bestätigt Berglandmilch-Chef Josef Braunshofer im TT-Gespräch.

Geplant sei, in Wörgl eine „Tirol Milch GmbH“ einzurichten. Diese Bergland-Tochterfirma soll die Produktion und den Österreich-Vertrieb aller im Wörgler Werk hergestellten Produkte organisieren, womit das operative Geschäft in Tirol bliebe. Wie Bergland den Export steuern wird, stehe noch nicht im Detail fest. „Aber es wird keine Doppelgleisigkeiten geben“, betont Braunshofer. Auch wie viele Mitarbeiter gehen müssten, könne er noch nicht sagen (40 Jobs sind im Gespräch).

Das Werk in Wörgl soll definitiv in die Berglandmilch eingebracht werden. „Draußen bleiben werden jene Liegenschaften, die nichts mit Milch zu tun haben“, erklärt Braunshofer. Dies seien das Gebäude in Innsbruck, das Wörgler Gasthaus Egerndorferstuben sowie einige weitere kleine Liegenschaften, darunter eine in St. Johann. Zum Wert der Immobilien wollte sich Braunshofer nicht äußern, TT-Informationen zufolge sollen sie zwischen 10 und 15 Mio. Euro wert sein – und mit dem Deal schuldenfrei.

Für Wörgl gibt es eine Standortgarantie, hier will Braunshofer eher mehr als weniger Waren erzeugen: „Ich denke speziell an Produkte für den italienischen Markt.“ Für das Lienzer Werk gibt es keine schriftliche Garantie, allerdings hatte Braunshofer angekündigt, in Osttirol etwa Käsespezialitäten herstellen zu wollen.

Fest steht: Die Berglandmilch will alle Schulden der Tirol Milch übernehmen, 2009 standen Verbindlichkeiten von mehr als 50 Mio. Euro zu Buche. Zudem will sie den Tiroler Bauern die Milchpreisdifferenz rückwirkend für das Jahr 2010 auszahlen. „Das wären mehr als 5 Mio. Euro, die in Form einer Treueprämie an die Bauern gehen.“ Keinen Zweifel lässt er daran, dass es keinen Aufschub für den Deal geben wird, wie ihn sich Agrarlandesrat LHStv. Toni Steixner gewünscht hatte. Deadline ist Ende September, danach wäre das Angebot schon aus rechtlichen Gründen hinfällig. „Wir müssten wieder bei null anfangen. Das haben wir der Politik auch erklären können.“

Keine Steine mehr in den Weg legen will der Fusion nun die Landesregierung, die sich bislang für eine Südtiroler Lösung stark gemacht hatte. Auch Steixner sieht den Tiroler Milch-Zug nach Oberösterreich rollen. „Dass es eher in diese Richtung geht, das ist auch mir klar“, erklärte er gestern im TT-Gespräch, „die Funktionäre der Tirol Milch haben ja eindeutig erklärt, was sie wollen.“ Tatenlos zuschauen will er aber nicht: „Es gibt noch ein paar intensive Gespräche, bei denen wir die unserer Meinung nach noch ausstehenden Punkte behandeln werden.“ Welche Punkte das sind, wollte Steixner aus Rücksicht auf die laufenden Verhandlungen nicht sagen.

Offen ist, wie die Bauern als Eigentümer der Tirol Milch entscheiden werden. Während eine Probeabstimmung bei einer Delegiertenversammlung in Oberndorf eine klare Mehrheit für Bergland ergab, waren die Bauern im Zillertal eher dagegen.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 10.09.2010
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