08.02.2010, 12:53  Aktualisiert: 10.05.2010, 15:18 

Innsbruck

Nordkette: Einsatzkräfte langsam wieder am Rückzug

Die dritte Suchaktion nach dem vermissten Franzosen auf der Nordkette muss aufgrund der Wetterverhältnisse personell reduziert werden.
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Innsbruck –Die mittlerweile dritte Suchaktion nach jenem vermissten Franzosen, der Montagmittag auf der Nordkette von einer Lawine verschüttet worden war, ging auch am Mittwoch nur zäh vonstatten. In den frühen Morgenstunden starteten rund 90 Helfer, um nach dem Körper des Vermissten zu suchen. Zuvor hatte die Suche wegen der gefährlichen Verhältnisse bereits zwei Mal abgebrochen werden müssen.

Doch auch am Mittwoch wurden die Hoffnungen der Einsatzkräfte, den Verschütteten doch noch zu finden, getrübt: Nach sechs Stunden intensiver Suche verschlechterte sich das Wetter zusehends, die Mannschaften wurden nach und nach reduziert. „Wir haben jetzt alle Staukegel sondiert und leider nichts gefunden. Wir werden auf jeden Fall weitermachen, so lange es das Wetter zulässt, aber personell werden wir jetzt Schritt für Schritt zurückfahren“, erklärte Matthias Haselberger von der Innsbrucker Bergrettung.

Die Retter konzentrieren sich im Moment auf die Suche nach einem Lawinenrucksack mit eingebautem Airbag, den der Verstorbene getragen haben soll. „Wir wissen aber nicht, ob er den Airbag noch auslösen konnte, oder ob ihm der Rucksack auch vom Körper gerissen wurde“, erklärt Haselberger.

Bei den Suchen am Vortag konnten die Helfer zwar dank Radarsuche und Handyortung ein Gebiet eingrenzen – beim Sondieren stießen sie allerdings nur auf das LVS-Gerät des Vermissten und fanden außerdem seine Jacke.

Eine Handyortung ist seit Dienstag nicht mehr möglich - der Akku des Geräts dürfte bereits zu Ende sein. Seit Mittwochfrüh setzen die Helfer eine Dampfsonde für die weitere Suche ein und konzentrieren sich ansonsten weiter aufs Sondieren.

Die Suche mit der Dampfsonde ist zwar zeitintensiver, könnte die Helfer aber entscheidend voranbringen. Mit der Sonde kann man nämlich Kanäle in den Schnee „bohren“ und anschließend mit einer Kamera suchen. „Wir konzentrieren uns auf den eingegrenzten Bereich, den wir auch in den Vortagen durchsondiert haben. Aber natürlich darf man auch den Rest der Lawine nicht außer Acht lassen“, betont Haselberger. Sollte auch der Mittwoch keinen Fortschritt bei der Suche bringen, wird die Einsatzleitung bei einer abendlichen Sitzung entscheiden, wie es weiter gehen soll.

Zwei Suchen abgebrochen

Wegen der Gefährlichkeit mussten die Helfer am Dienstag gegen Mittag den Rückzug aus dem Suchgebiet antreten. Die 85 Helfer – 30 Bergretter, 25 Feuerwehrmänner und Bundesheer-Rekruten – hatten bereits um 5.30 Uhr mit der Suche nach dem vermissten 24-jährigen Franzosen begonnen, der am Montag kurz nach Mittag von einer Lawine unterhalb des Gleischerköpfls erfasst worden war. Doch von Beginn an arbeiteten die Freiwilligen unter enormen Zeitdruck. „Wir haben ein Zeitfenster bis ungefähr elf Uhr, wenn wir ihn bis dahin nicht finden, müssen wir die Suche verschieben“, hieß es bereits in den frühen Morgenstunden.

Riesige Lawine

Der Franzose wurde am Montag um 12.05 Uhr auf der Nordkette im Bereich Gleirschspitze, Rinne Arzler Alm, durch eine mächtige Lawine erfasst und mitgerissen.

Er war gemeinsam mit einem Kollegen auf rund 1800 Metern Höhe im freien Skiraum unterwegs gewesen, als sich das Schneebrett gelöst hatte. Der Begleiter blieb unverletzt, alarmierte die Einsatzkräfte und begann sofort selbst mit der Suche.

Es habe sich um einen sehr großen Lawinenabgang mit einer Länge von etwa 400 Metern gehandelt, hieß es von Seiten der Einsatzkräfte. Der Schnee war ins Rutschen geraten – die Abrisskante lag direkt unter dem Gleischerköpfl.

Nach Abbruch der ersten Suchaktion Montagnachmittag wurden Hubschrauber-Flüge durchgeführt, um möglicherweise ein Handy oder Verschütteten-Suchgerät zu orten. Diese wurden dann allerdings erst am Dienstag gefunden, bzw. geortet. (rena)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 08.02.2010  12:53
aktualisiert: Mo, 10.05.2010  15:18
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