Polizei sprengt Rotlicht-Ring
Großrazzia im Innsbrucker Gunstgewerbe: Knapp 80 Polizisten stürmten am Dienstagmorgen die Wohnungen von 15 Prostituierten. Cobra-Beamte holten mit Rammen die mutmaßlichen Zuhälter aus ihren Unterkünften.
Von Thomas Hörmann
Innsbruck – Etwa ein halbes Dutzend Haftbefehle, über 15 vom Gericht angeordnete Hausdurchsuchungen, knapp 80 beteiligte Polizisten: Innsbruck war am Dienstag im Morgengrauen Schauplatz einer der umfangreichsten Razzien in der Tiroler Kriminalgeschichte.
Das Ziel der Ermittler: Die Zerschlagung eines angeblichen Zuhälterrings. Die vielfach amtsbekannten Verdächtigen sollen vor allem die illegale Wohnungsprostitution in der Landeshauptstadt organisiert und teilweise auch kontrolliert haben.
Nach monatelangen Ermittlungen im Hintergrund, nach Hunderten abgehörten Telefongesprächen hatten die Beamten des Landeskriminalamtes (Gruppe Menschenhandel) ausreichend Informationen gesammelt, um den Schlag gegen das Rotlicht-Milieu in Angriff nehmen zu können.
Am Dienstagmorgen war es so weit: Um 5.30 Uhr versammelten sich unter strengster Geheimhaltung etwa 80 Beamte, um die letzten Einzelheiten der Polizeiaktion zu besprechen.
Eine Stunde später, um exakt 6.30 Uhr, ging‘s dann endgültig los. Aufgeteilt auf etwa 20 Teams schwärmten die Beamten aus. Und zwar in Richtung Kranebitter Allee im Westen bzw. in die Neurauthgasse im Süden von Innsbruck. Dort befinden sich die Wohnungen, in denen die Prostituierten leben und teilweise auch ihren illegalen Geschäften nachgehen.
Um die mutmaßlichen Zuhälter kümmerte sich die Eliteeinheit Cobra. Mit Rammen brachen die Spezialisten ohne Vorwarnung die Wohnungstüren auf und nahmen die völlig überraschten Verdächtigen im Auftrag des Innsbrucker Landesgerichts fest.
Dass auch die Cobra zum Einsatz kam, hat einen besonderen Grund: Die mutmaßlichen Zuhälter gelten in Polizeikreisen als gut trainiert, unter Umständen bewaffnet und gewaltbereit sowie durchaus wehrhaft. Um jeden Versuch des Widerstandes im Keim zu ersticken, übernahmen die Cobra-Experten die Festnahme der Hauptfiguren. Um die etwa 15 Prostituierten kümmerten sich die übrigen Beamten. Die Damen, die vielfach aus Osteuropa stammen, wurden vorübergehend festgenommen und im Lauf des Vormittags befragt.
Das Ziel der Einvernahmen: Die Beamten hofften, dass die Zeuginnen auspacken und die mutmaßlichen Zuhälter belasten würden. Erst am frühen Nachmittag endete die großangelegte Polizeiaktion.
Das Innsbrucker Rotlicht-Milieu war nicht zum ersten Mal Ziel einer Polizeirazzia. So zerschlugen die Beamten unter der Federführung des Stadtpolizeikommandos bereits im Dezember 2006 eine Organisation, die zwölf Wohnungen an Geheimprostituierte vermietete. Bemerkenswert: Als Kopf des illegalen Rotlicht-Unternehmens galt damals eine Frau.
Acht Monate vorher waren‘s allerdings fünf Männer, die als mutmaßliche Zuhälter ins Visier der Polizei gerieten. Die Verdächtigen sollen über 20 Wohnungen zu angeblich überhöhten Preisen an Prostituierte vermietet haben. Nach monatelangen verdeckten Ermittlungen führten die Beamten im April 2006 eine Großrazzia durch.
Die Folge: Ein Großteil der damaligen Prostituierten kehrte Innsbruck den Rücken.

















Ihre Meinung zu diesem Thema
jetzt anmelden