Innsbruck
„Froh, Geburtstag zu erleben“
Von Thomas Hörmann
Innsbruck – „Immer, wenn ich mich an den Überfall erinnere, bekomme ich das Zittern. Ich bin jedenfalls froh, den Raub überlebt zu haben und jetzt gesund meinen 94. Geburtstag feiern zu können“, freut sich der Innsbrucker Pensionist am Mittwochnachmittag über einen ungewöhnlichen Gratulanten. Edmund Wiesbauer vom Landeskriminalamt, Sachbearbeiter des brutalen Raubdelikts, ließ es sich nicht nehmen, dem Opfer persönlich alles Gute zu wünschen.
Es war am Vormittag des 24. Februar, als der frühere Magistratsbeamte in seiner Pradler Wohnung einen Albtraum erlebte. „Es hat geläutet, ich öffnete die Wohnungstür und stand einem Mann mit einem Messer in der Hand gegenüber. Wie er mit der Waffe vor mir herumfuchtelte und mit der anderen Hand meinen Mund zuhielt, geht mir nicht mehr aus dem Kopf“, schildert das Opfer inmitten seiner umfangreichen Plüschtiersammlung.
Der damals noch 93-Jährige fürchtete um sein Leben. „Plötzlich hatte ich einen rettenden Einfall. Ich sagte zum Täter: Komm mit, ich hab‘ was für dich. Ich führte den Mann zu einem Schrank und übergab ihm mein Bargeld. Der Räuber hat sich richtig gefreut und ist wie der Blitz abgehauen.“ Und zwar so schnell, „dass ich nicht verfolgen konnte, wohin er lief. Ich bin jedenfalls froh, ihm das Geld gegeben zu haben. Sonst hätte er mich mit Sicherheit mit seinem Messer verletzt.“
Die Medienberichte über den Überfall hatten skurrile Folgen für den jetzt 94-Jährigen. So meldete sich eine Bekannte von früher. Die Frau hatte es offenbar auf das Erbe des rüstigen Herren abgesehen. „Sie wollte mich zum Arzt schleppen, um meine Zurechnungsfähigkeit feststellen zu lassen. Und dann wäre sie mit mir zum Notar gegangen“, hat der nach wie vor geistig rege Pradler den Plan seiner Bekanntschaft durchschaut.
An seinem 94. Geburtstag machte sich das Raubopfer selbst ein Geschenk: Der Pradler ließ an seiner Wohnungstür für etwa 300 Euro Sicherheitsschlösser anbringen: „Damit ich wieder ruhig schlafen kann“, so seine Begründung. Nach dem Überfall keine Selbstverständlichkeit für den 94-Jährigen: „Ich bin häufig bei voller Beleuchtung bis drei, vier Uhr in der Früh im Wohnzimmer gesessen, weil ich keine Ruhe finden konnte.“ Erst in der Nacht vor seinem Geburtstag schlief der Pensionist seit Langem wieder durch. Sein Wiegenfest feierte der Jubilar übrigens mit einer ebenso einsamen Freundin: „Vielleicht trinken wir sogar einen Becher Glühwein.“
Edmund Wiesbauer versucht weiterhin, dem brutalen Räuber auf die Spur zu kommen. Ein schwieriges Unterfangen, zumal der Pensionist nur eine ungenaue Beschreibung des Täters liefern konnte: „In der Aufregung habe ich mir fast nichts gemerkt.“
Wiesbauer geht jedenfalls davon aus, dass es sich beim Räuber um einen etwa 25-jährigen, rund 1,85 Meter großen, robusten Mann mit dunklen Haaren handelt. Hinweise ans Landeskriminalamt (Tel. 059133/70-3333).






