31.07.2010

Schweineexperiment abgebrochen - Aktivisten diskutieren vor Ort

Das heiß diskutierte Lawinenexperiment im Ötztal wird laut Tierschutzreferent Anton Steixner abgebrochen.

Innsbruck – Das Lawinenexperiment mit 29 Schweinen im Ötztal wird nach massiven Protesten in der Bevölkerung von Tirols Tierschutzreferenten, LHStv Anton Steixner, abgebrochen. „Ich bin froh, dass es in engem Kontakt mit dem Wissenschaftsministerium gelungen ist, diesen moralisch bedenklichen Versuch zu stoppen“, so Steixner am Donnerstag in einer Aussendung.

Genehmigt wurde der Tierversuch gesetzeskonform vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Das Land Tirol und das für Tierschutzagenden zuständige Mitglied der Tiroler Landesregierung wurden allerdings nicht über das Experiment informiert.

Herman Brugger vom Institut für Alpine Notfallmedizin Bozen zeigt sich enttäuscht und versucht weiter, das Projekt am Leben zu halten: „Wir wollen ja nur Menschenleben retten. Ich verstehe die Argumente der Tierschützer, aber wir arbeiten seit Jahren an diesem Projekt und in diesem einen Teilabschnitt blieb und leider keine Alternative, als Tierversuche durchzuführen. Anders wäre das nicht machbar gewesen.“

Die Ergebnisse hätten dazu gedient, dass künftig auch Notfallärzte und Bergretter auf das Überleben unter einer Lawine geschult werden könnten und auf die Lebenszeichen, die halb erfrorene Lawinenverschüttete zeigen.

„Ich bin selbst zwar kein Vegetarier und kein aktiver Tierschützer, aber mir ist das Leben von Tieren auch ein großes Anliegen. Wir haben auch alles mögliche unternommen, damit die Tiere so wenig wie möglich unter Stress gesetzt werden, bevor sie sterben. Die haben davon wirklich nichts mitbekommen“, versichert der Südtiroler.

Noch am Abend hat er sich mit den Aktivisten, die aus verschiedensten Teilen Österreichs nach Vent angereist waren, um gegen das Projekt anzugehen, besprochen. „Wir wollen, dass dieser grausige Versuch ein Ende hat. Unserer Meinung nach sollte man eher bei Lawinenprävention ansetzen, anstatt derart unnötige und grausame Versuche durchzuführen“, empören sich die Aktivisten von „Vier Pfoten“.

Sie zeigten sich vor Ort dennoch zum Gespräch bereit. Brugger will ihnen entgegenkommen, so weit es geht - das Projekt ganz abblasen würde ihm aber sichtlich schwer fallen. „Wir wissen nicht, was jetzt weiter passiert. Selbstverständlich sind wir zum Gespräch mit den Tierschützern bereit und wir werden uns auch ihre Argumente anhören und versuchen, eine Lösung zu finden. Wenn wir das Projekt aber jetzt abblasen, dann war alles umsonst. Das ist ja auch nicht ethisch vertretbar“, findet der Forscher.

Der Tierversuch an 29 Schweinen wurde am Dienstag im Ötztal gestartet. Die Allesfresser sollten bei lebendigem Leib begraben werden, um Lawinensituationen zu simulieren.

Das Experiment sollte eigentlich zwei Wochen dauern - pro Tag wären zwei bis drei Schweine gestorben. Nach dem Tod der Tiere - sie wurden vor dem Eingraben narkotisiert und an Messgeräte angeschlossen - wurden sie wieder aus den Schneemassen ausgegraben und zerteilt.

Über Minuten oder Stunden hinweg verfolgten die Wissenschaftler den Sterbeprozess. Zur wissenschaftlichen Auswertung wurden Gewebeproben herangezogen, die anderen Überreste der Schweine kamen bei den bisher verendeten Tieren in die Tierkörperverwertung. (rena)

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Lebendige Schweine vergraben: Versuche vorerst abgebrochen

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