18.05.2010

Kufstein

Bayrischer Wolf streift entlang der Tiroler Grenze

Vier Schafe soll ein Wolf in Bayerischzell nahe der Tiroler Grenze gerissen haben. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er nach Thiersee weiterwandert.

Von Margret Klausner

Innsbruck, Thiersee – Erst vor einigen Tagen kam die Meldung aus Südtirol, dass sich ein Wolf im Bereich Ulten im Meraner Land herumtreibt. Deutliche Bissspuren an Rotwild brachten die Forscher auf die Spur des Isegrim. Echte Klarheit brachte inzwischen ein DNA-Test.

Doch seit Kurzem ist auch bekannt, dass sich ein Wolf direkt vor den Toren Nordtirols herumtreibt. Während es sich bei dem Tier in Südtirol um einen „Import“ aus dem Trentino handelt, soll jener Wolf in Oberbayern ein waschechter Schweizer sein.

„Ja, es stimmt. Alle Spuren deuten darauf hin, dass ein Wolf im Raum Bayerischzell unterwegs ist“, erklärt Frank Skodczinski, der Sprecher des zuständigen Landratsamtes Miesbach. Vier Schafe fielen Isegrim im Ortsteil Geitau zum Opfer. Nur wenige Kilometer von der Tiroler Grenze bei Thiersee entfernt. Ein DNA-Test soll jetzt für Klarheit sorgen. Bereits Ende vergangenen Jahres tauchte ein Wolf – Experten gehen davon aus, dass es sich um dasselbe Tier handelt – nördlich von Bayerischzell im Wendelsteingebiet bei Brannenburg auf. Seit damals wissen die bayerischen Behörden, dass er jung und männlich ist und aus Graubünden in der Schweiz stammt. Im Jänner hinterließ er schon einmal seine Spuren in Bayerischzell. „Das Ergebnis des DNA-Tests soll Mitte Juni vorliegen“, weiß Thomas Hentschel, Sprecher des Landesamts für Umwelt. Es kann leicht sein, dass das scheue Tier bei Thiersee über die Grenze kommt – immerhin wandern Wölfe bis zu 50 Kilometer am Tag.

Für den Leiter der Landesveterinärdirektion, Eduard Wallnöfer, kommt der mögliche Besuch des Wolfes nicht überraschend: „Ende vergangenen Jahres trat ein Wolf oberhalb vom Imsterberg auf.“ Das Tier habe damals einige Schafe gerissen. Es gebe laufende Gespräche, wie Entschädigungen für die Betroffenen aussehen könnten.

Gesetzlich verankert sind übrigens nur Entschädigungen, die Adlerschäden betreffen, weiß der Leiter des Alpenzoos Michael Martys, der beruhigt: „Der Wolf ist ein scheues Tier.“ Menschen würde er meiden und ist damit ungefährlich. „Mitte des 19. Jahrhunderts hat man den Wolf in Tirol ausgerottet“, sagt der Alpenzoodirektor. Die Bevölkerung habe sich bedroht gefühlt. Der Verlust einer Kuh oder von drei oder vier Schafen sei existenzbedrohend gewesen. 1956 wurde übrigens in Osttirol ein Wolf erschossen. Inzwischen gebe es aber wieder ein Umdenken. „Es ist sehr zu begrüßen, dass der Wolf zurückkehrt. Wichtig ist jedoch nicht nur die richtige Aufklärung der Bevölkerung, sondern auch die Schadensregulierung.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 18.05.2010
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