Innsbruck
Die Macht der Vorurteile in Brasilien und Deutschland
Mustertext
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Innsbruck – Mit seiner Biografie „fom winde ferfeelt”, einem Bestseller auf „Ultradeutsh“ und Wunschdeutsch, war der Deutsch-Brasilianer Zé do Rock 1995 erstmals in Innsbruck und kehrt seither mit jedem neuen Buch und mit einer ausgeklügelten Literaturshow samt Volksabstimmung über Vereinfachungen in der Rechtschreibung zurück. Dieses Mal hat Zé do Rock die Dokumödie „Schroe-der liegt in Brasilien” im Gepäck. Von seinen Kreationen zur Rechtschreibreform ist wenig geblieben.
Zé do Rock: Es wurde hin und her diskutiert, dann korrigiert, bis für eine kluge Reform kein Platz mehr war. 80 Prozent der Bevölkerung waren schließlich gegen die Reform.
Es haben sich auch kuriose Koalitionen gegen jede Reform gebildet.
do Rock: In den 80ern war das Projekt noch eine konsequente Sache, dann fingen die Kritiken an, alles ist verwässert worden. Es hätte alles einfacher statt komplizierter werden können.
Auch Ihr Wunschdeutsch, jeder kann schreiben, wie er will, hat sich noch nicht durchsetzen können.
do Rock: Ich habe 20.000 Leute in meinen Literaturshows abstimmen lassen und daraus Wunschdeutsch kreiert. Das ist so ähnlich wie Deutsch, aber es gibt kaum Zeichensetzung und kaum Dehnlaute.
Die Ergebnisse der PISA-Studien lassen die Alarmglocken läuten.
do Rock: Mit Sicherheit. In englischsprachigen Ländern, in Amerika oder England musst du die Sprache lernen, in Deutschland oder Österreich kann man auch mit Englisch durchkommen. Türkisch geht auch, wenn man in entsprechenden Gegenden wohnt. Die Studien haben auch mit dem Textverständnis zu tun und Deutsch ist natürlich eine schwierige Sprache, auch für Deutsche.
Ihr Netdeutsch war eine Lösung für das Internet?
do Rock: Netdeutsch ist Wunschdeutsch mit einer Lösung für die Umlaute. In den 90er Jahren waren die Umlaute noch ein Problem. Aber in anderen Ländern muss man ohnehin ae, oe oder ue eingeben. Dann gab es noch das Kauderdeutsch, das ist Internationalität und Multikultideutsch, ein Mix for varius lingua, dann gab es noch Siegfriedisch, das ist rrreinstes germanisches Deutsch, alle Frrremdwörter werden sofort in ihre Heimat zurückgeführrrt. Tisch kommt vom lateinischen Diskus, geht nicht, heißt nur mehr Essbrett. Bier geht auch nicht, nennen wir Gerstentrunk.
Ihr neues Buch „Jede Sekunde stirbt ein Nichtraucher – a lexikon üba vorurteile un andre teile“ wird von Nichtraucherschutzorganisationen boykottiert, obwohl sich nur ein geringer Teil mit dem Rauchen beschäftigt?
do Rock: Es sind zehn Prozent.
Und dazu liefern Sie einen neuen Sprachentwurf.
do Rock: Im neuen Buch ist es Kokokukish. Das ist fast wie Ultradeutsh, hat mehr von deutschen Dialekten und ist freundlicher zum Aussprechen und der Versuch, nach jedem Konsonanten einen Vokal kommen zu lassen. Vor Kurzem habe ich versucht, Italiener in Deutsch zu unterrichten. Ein einfacher Satz wie „Machst du mir einen Tee? Das ist eine gute Idee.“ ist für einen Italiener ein Ding der Unmöglichkeit. Daraus wird bei mir „ma-ke-du-mi-ka-te? da-ti-sa-gu-di-de“.
Wie in Ihrem Buch zeigen Sie auch in „Schroeder liegt in Brasilien” die Macht der Vorurteile.
do Rock: Das ist meine große Beschäftigung momentan. Ich komme aus Brasilien, einem Land mit großen Vorurteilen und lebe in einem Land, das mit großen Vorurteilen behaftet ist. Interessanterweise handelt es sich dabei um gegensätzliche Vorurteile. Die Brasilianer sind dunkel, die Armen und Feiernden, die Deutschen sind blond, die Reichen und schlecht Gelaunten. In meinem Film zeige ich, dass die Deutschen zwar arm und gut drauf sind, während die Brasilianer viel Geld haben, aber ständig jammern.
Das Gespräch führte Peter Angerer






