Innsbruck – Alle laufen sie heuer aus. Gemeint sind jene 15-a-Vereinbarungen, mit denen die Länder vom Bund Gelder für das Gratis-Kindergartenjahr (70 Mio. Euro), die sprachliche Frühförderung (20 Mio. Euro) und den Kindergartenausbau (52,5 Mio. Euro) lukrieren. Über eine Neuaufstellung dieser Finanzierungsströme wird derzeit verhandelt. Bis August soll ein Ergebnis vorliegen. Doch es zieht sich.
Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) hätte gegen ein ganzheitliches Finanzierungskonzept, also eine Zusammenführung der drei Schienen, prinzipiell nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil. Ein System, das den Ländern eine langfristige Finanzierung des Kinderbetreuungsausbaus garantieren könne, begrüßt sie. Sofern dieses nun auch in die Gänge komme. Und, wie Palfrader anmerkt: „Es darf nicht zu Lasten der Länder gehen.“ Tirol sieht seinen Bedarf in diesem neuen Finanzierungskonzept zwischen 15 und 20 Millionen Euro pro Jahr. Ob eine Einigung wie vereinbart bis Ende August steht, ist aus heutiger Sicht noch offen.
Das Geld ist das eine, was damit passiert, das andere. Das hat nun das Land gemeinsam mit dem MCI und der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) in einer Studie eruieren lassen, die der TT vorliegt.
Diese kommt zum Schluss, dass mit den 2017 in Tirol in Sachen Kinderbetreuung (Kinderkrippen, -gärten, -horte) aufgewendeten 80,5 Mio. Euro (rund 70 Mio. Euro davon kamen vom Land) die Wertschöpfung in Tirol um insgesamt 632,5 Mio. Euro gesteigert werden konnte. Die Betreuung der Kinder ermögliche es rund 14.500 Eltern, einer (erhöhten) Erwerbstätigkeit nachzugehen, rechnen die Experten vor. Das damit verdiente Einkommen (inklusive Arbeitgeberkosten) wird mit rund 380 Mio. Euro angegeben. Geld, das wiederum ausgegeben wird und dadurch an die 3600 Arbeitsplätze sichert und auch schafft und für eine zusätzliche Wertschöpfung von bis zu 252,5 Mio. Euro verantwortlich zeichnet.
Nahezu alle Sektoren bzw. Branchen scheinen gemäß Studie direkt oder auch indirekt zu profitieren. Das reicht von der Landwirtschaft über den Handel, die Gastronomie und Beherbergung bis hin zur Gesundheit und Kunst/Unterhaltung. „Der Gesamteffekt ist gemessen am Mitteleinsatz beträchtlich“, zeigt sich Palfrader überrascht. Insofern könnten den ständig steigenden Kosten durch den Ausbau der Kinderbetreuung nun konkrete volkswirtschaftliche Vorteile gegenübergestellt werden.
Zählte Tirol im Kindergartenjahr 2010/11 in Summe noch 688 Horte, Krippen und Kindergärten, so waren es 2017 bereits 805 institutionelle Einrichtungen. Die Zahl der betreuten Kinder ist im selben Zeitraum laut Palfrader um 5000 auf rund 29.400 gestiegen. In der Kinderbetreuung selbst sind aktuell 5300 Personen beschäftigt – ein Anstieg um 2350 in den vergangenen zehn Jahren. In Summe wurden 2016/17 an die 36.250 Kinder in 1193 Einrichtungen betreut, davon besagte 29.400 in institutionellen Einrichtungen.
Dass aber trotzdem noch viel zu tun ist, daran erinnert SP-Nationalrätin Selma Yildirim. Sie kritisiert, dass Kindergärten in Tirol noch immer im Schnitt pro Jahr an 42,5 Tagen geschlossen und nur die Hälfte auch nach 14 Uhr geöffnet seien. Ziel müsse eine ganzjährige und ganztägige Betreuung sein. (mami)
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