14.05.2013
Natur

Polizeirazzia bei Drogenparty

Nachdem die Polizei am Wochenende eine so genannte Goa-Party gesprengt hat, kommt die Subkultur wieder ins Gerede. Anhänger sehen die Szene derzeit massiv im Wandel.
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Subkultur Goa

Herkunft: Mit der Hippie-Szene entstand in Goa/Indien auch eine Party- oder besser Zusammenkunftskultur. Der dazugehörige Musikstil wurde ab Mitte der 1970er immer elektronischer und schließlich in alle Welt exportiert und musikalisch weiterentwickelt.

Lebensstil: Hinter Goa verbirgt sich nicht nur ein Musikstil, sondern auch eine Philosophie. Oft werden die Goa-Anhänger als moderne Hippies bezeichnet. Parallelen zu dieser Bewegung sind unverkennbar.

Kommerz: Auch in der Goa-Bewegung hat sich der kommerzielle Aspekt verstärkt. Die Szene ist seit einigen Jahren im Wandel.

Drogen: Viele assoziieren mit Goa das Thema Drogen. Während einige diese als bewusstseinserweiternd rechtfertigen, ist Goa für andere nur Party und der Konsum illegaler Substanzen. Wie gefährlich dies werden kann, zeigt ein tragischer Fall 2010. Damals starb ein junger Tiroler nach einer Party an einer Überdosis. Immer wieder gab es zudem bei Kontrollen auf Partys Anzeigen und Strafen.

Von Marco Witting

Innsbruck – Für die einen ist es ein Austausch über das Leben, eine Subkultur, Musikrichtung, Lebensphilosophie auf der Suche nach Spiritualität und dem tieferen Sinn des Seins. Für die anderen schlicht und einfach eine Drogenparty. Die Goa-Szene mit ihren Partys schreibt auch in Tirol immer wieder Schlagzeilen. Und in den allermeisten Fällen, wie zuletzt am Wochenende, geht es dabei um Anzeigen und den Missbrauch illegaler Substanzen.

Rund 60 Menschen versammelten sich am Samstagabend auf einem stillgelegten Firmengelände im Gemeindegebiet von Patsch. Ein Arbeiter bemerkte die Versammlung, alarmierte die Polizei. Die kontrollierte die Besucher, stellte mehrfach Drogen sicher, beendete die Veranstaltung. „Friedlich und ruhig“ hätten sich die Nachtschwärmer verhalten, schilderte ein Polizist der TT am Montag. Neun Personen wurden wegen Drogenbesitzes angezeigt. Andere, die den Polizeieinsatz mit mehreren Streifen und Suchhund rechtzeitig bemerkten, „entsorgten“ die Substanzen noch im Gebüsch. Kleinere Mengen Cannabis stellte die Polizei sicher, andere Stoffe, die gefunden wurden, werden noch untersucht. Die Feier hatte man über Facebook organisiert und so kam es auch, dass es neben Einheimischen auch Teilnehmer aus Bayern und Südtirol gab. Angemeldet war die Feier nicht.

Und während im Polizeibericht von einer Goa-Party die Rede war, stellt Hannes (Name von der Redaktion geändert), der sich in der Szene auskennt, das in Abrede. Hier hätte es sich um eine „Techno-Party“ gehandelt.

Ein kleiner Unterschied, der dem Normalverbraucher wohl gänzlich verschlossen bleibt. Für jene kleine Gruppe, die sich mit diesem Lebensgefühl identifiziert, ist das aber sehr wohl von Bedeutung. Für Hannes, der anonym bleiben möchte, ist Goa viel mehr als Musik oder Drogen. „Es ist im ursprünglichen Sinn ein gemütliches Zusammentreffen, bei dem getanzt wird und es auch einen Austausch über das Leben mit Fremden gibt.“

Man trifft sich gemeinsam, baut im Wald ein Veranstaltungsgelände auf, feiert, tanzt. „So kitschig das auch klingen mag, es ist wie eine Familie, in der man sich hilft.“ Innsbruck sei ein Zentrum für die Goa-Anhänger aus Süddeutschland, Westösterreich und Norditalien. Doch die Szene sei im Wandel.

Vor allem die steigende Kommerzialisierung macht den Alteingesessenen Sorgen. Und die ziehen sich ihrerseits zurück. Es kommen laut Hannes „Junge“ nach, denen aber niemand den tieferen Sinn erklären würde. Und so verkomme die Subkultur zu dem, wie das Bild in der Öffentlichkeit schon ist. Eine Party, auf der viele Drogen konsumiert werden. Für Hannes selbst sind Drogen lediglich das „Gewürz“ für eine derartige Party.

Dabei verschweigt man in Goa-Kreisen stets die Gefährlichkeit der illegalen Substanzen und den starken Konsum. Auch die unreflektierte Flucht in eine Parallelwelt, fernab der Realität, geht unter. Eines der größten Probleme für die Goa-Fans in Tirol ist es, ein passendes Veranstaltungsgelände außerhalb von kommerziellen Veranstaltungen zu finden. „Denn eigentlich gibt es bei Goa keinen wirtschaftlichen Hintergrund.“

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 14.05.2013
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