Spannungen in Mazedonien: Fünf Polizisten getötet

Nach monatelanger innenpolitischer Krise zwischen Regierung und Opposition kommt es jetzt zu bewaffneten Kämpfen. Dabei greift die Polizei albanische „Terroristen“ an. Die Nachbarstaaten sind alarmiert.

© EPA

Skopje – Bei einem Polizeieinsatz gegen eine Gruppe von Bewaffneten in der nordmazedonischen Stadt Kumanovo sind am Samstag fünf Polizisten ums Leben gekommen. Das bestätigte Innenministerin Gordana Jankulovska am Samstagabend. Weitere rund 30 Polizisten wurden demnach verletzt.

Die Innenministerin berichtete bei einer abendlichen Pressekonferenz in Skopje, dass es auch aufseiten der Angreifer Tote gegeben habe, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Über verletzte Zivilisten hatte das Innenministerium zunächst keine Informationen. Die Polizeiaktion war laut Jankulvovska auch am späten Abend noch im Gange.

Verschiedene Medien hatten zuvor gemeldet, dass sich etwa 30 Angreifer der Polizei gestellt hätten. Die Verantwortung für den Angriff auf die Polizei in Kumanovo hat angeblich die albanische UCK (Nationale Befreiungsarmee) übernommen, eine laut Medien nur in Mazedonien aktive Gruppe.

Offenbar Anschläge geplant

Der Polizeieinsatz hatte in den frühen Morgenstunden begonnen und sich laut Behörden gegen eine Gruppe gerichtet, die Anschläge auf staatliche Institutionen geplant haben sollen. Dabei wurden die Sicherheitskräfte angegriffen. Es kam zu Schießereien, Häuser brannten und das Stadtviertel, in welchem die Kämpfe geführt wurden, wurde von den Sicherheitskräften abgeriegelt. Zahlreiche Einwohner von Kumanovo flüchteten im Laufe des späten Nachmittages in Richtung Serbien.

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Präsident Gjorge Ivanov unterbrach am Nachmittag seinen Moskau-Besuch und kehrte nach Mazedonien zurück. Oppositionschef Zoran Zaev forderte indes Anhänger auf, ihre seit Dienstag anhaltenden Anti-Regierungsproteste in Skopje und mehreren anderen Städten wegen der aktuellen Situation zu unterbrechen. Es gelte, dass alle zusammen die Sicherheit und Stabilität Mazedoniens sichern, erklärte Zaev laut Medienberichten. Belgrad entsandte zusätzliche Polizeikräfte an die Grenze zu Mazedonien und in die Grenzregion zum Kosovo.

Die EU-Kommission zeigt sich besorgt über blutige Auseinandersetzungen im Balkanland Mazedonien. Eine weitere Eskalation müsse vermieden werden, erklärte der für Nachbarschaftspolitik verantwortliche EU-Kommissar Johannes Hahn am späten Samstagabend in Brüssel. Alle Beteiligten müssten Zurückhaltung zeigen. (dpa)


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