„Geld und Gut nichts helfen tut“
Wie man aus einem eher zähen Thema, nämlich des Kaisers Tod vor 250 Jahren, eine gelungene, keineswegs nur historisierende Ausstellung macht, zeigt die Hofburg mit „Das Letzte im Leben“.
Von Ivona Jelcic
Innsbruck –Tote haben es nicht eilig, die Lebenden mitunter schon, vor allem wenn wie bei Gerhard Polt der Flieger nach Mallorca wartet und deshalb „Die Beerdigung“ möglichst eilig abgewickelt werden will. Auch Georg Kreislers bitterböser „Danse Macabre“ betrachtet das Sterben eher von der heiteren Seite, lustvolle Angstschauer, so lernt man in der Hofburg, versprachen dem zahlenden Publikum wiederum bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert Schausteller mit ihren bühnentauglichen Knochenmännern.
Als Showtalent wird der Tod freilich eher aus der sicheren Distanz des Unbeteiligten wahrgenommen, wem er hingegen auf den Leib rückt, für den geht’s um „Das Letzte im Leben“. Dass Kaiser Franz Stephan von Lothringen 1765 in Innsbruck und just während der Hochzeitsfeierlichkeiten seines Sohnes Leopold II. vom Tod ereilt wurde, hat bis heute sichtbare Auswirkungen – sowohl auf die Triumphpforte als auch auf die kaiserliche Residenz, die auf Geheiß von Maria Theresia zu einer Art Mausoleum umgestaltet wurde.
Im August jährt sich der Todestag des Kaisers zum 250. Mal, was die Burghauptmannschaft zum Anlass für ein aufwändiges Ausstellungsprojekt nahm, das von Stadt, Land und TVB mit insgesamt 180.000 Euro gefördert wurde. Bei der gestrigen Eröffnung zeigte sich: Die Investition hat sich gelohnt. Mit Kuratorin Brigitte Felderer und Gabriele Rath, mit dem Büro Rath & Winkler bereits für die Konzeption der erfolgreichen Alpenvereins-Ausstellung verantwortlich, war hier ein (Kern-)Team zugange, das aus dem übergeordneten Gedenken an den kaiserlichen Exodus auch die zeitlos gültigen Fragen zum Thema Sterben und Trauer herauszuschälen verstand. Partner fand man u. a. in den Tiroler Landesmuseen und der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft – im Hospiz entstand auch eines der am meisten unter die Haut gehenden Projekte dieser Schau: Es sind Hefte, in denen Patienten das aufgeschrieben, mitunter auch gezeichnet haben, was sie vor ihrem Tod noch festhalten oder wie sie erinnert werden wollten.
„Geld und Guth nichts helffen thut“, notierte schon Abraham à Sancta Clara in seiner Wiener „Todten-Kapelle“ und auch Johann Anton Falgers „Totentanz“ in Elbigenalp zeigt unmissverständlich: Gestorben wird immer und quer durch alle Klassen. Man habe deshalb nicht allein einen „Kaiserschmarr’n anrühren“ wollen, sagt Felderer mit Verweis auf die hier verhandelten sozialgeschichtlichen Aspekte, auf habsburgische genauso wie bäuerliche Rituale und Bräuche, auf den Umgang mit Tod und Trauer im Gestern und im Heute.
Neben historischen Objekten findet sich auch immer wieder Zeitgenössisches, Nik Hummers Soundinstallation in der Kapelle lässt Maria Theresias Korrespondenzen in die Stille flüstern, ein weiteres Highlight befindet sich im Riesensaal, wo das Porträt des verstorbenen Kaisers durch eines ersetzt wurde, das die aus Japan stammende Künstlerin Haruko Maeda gemalt hat: Es zeigt den Monarchen als grinsenden, sich in Blüten auflösenden König Tod – der im Sterben übrigens nicht allein ist: Dafür sorgt eine von Ausstellungsarchitekt Michael Wallraff entworfene, verspiegelte Tischvitrine, die, einem Schneewittchen-Sarg gleich, im Raum thront. Und rund 750 Sterbebildchen aus der Sammlung des Ferdinandeums aufbahrt: Im Tod sind bekanntlich alle gleich. Bis 10. Jänner 2016.
Weinende Hofkirche, musizierende Fische
Eine eigene Kinderausstellung zum Thema Sterben und Tod eröffnet im September in der Hofburg, aber auch schon vorher wartet „Das Letzte im Leben“ mit einem umfangreichen Rahmenprogramm auf.
In Kooperation mit der Tiroler Künstlerschaft entstand Andrea Lüths bezaubernde Installation an der Hofkirche, die die Lesbarkeit von Oberflächen, etwa von Gebäude-Fassaden, als Gesichter zeigt: In „The BOO Train“ vergießt die Hofkirche himmelblaue Tränen und erlaubt so Trauer auch im öffentlichen Raum. Zeitgenössisches steuert auch das Heart of Noise Festival bei, wenn das Quiet Ensemble am 19. und 20. Juni im Gotischen Keller Goldfische Musik machen lässt.
Die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft lädt bereits am kommenden Mittwoch (19.30 Uhr) zu Vortrag und Diskussion unter dem Titel „Keiner stirbt für sich allein ...“.
L esungen und Konzerte gibt es u. a. von Josef Winkler, Anna Mitgutsch, Reinhard Jaud, Julia und Tobias Moretti. Infos: www.hofburg-innsbruck.at